Teil eines Werkes 
4. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 145

ſitzenden Würdenträgers zu beantworten hatte, ſah ich nie einfältigere Schafsgeſichter als die ihren. Das Publicum, welches durch einen Jungen mit einem Müffchen und einen ärmlich⸗vornehm gekleideten Mann, der heimlich Krümchen aus ſeiner Rocktaſche verzehrte, vertreten wurde, wärmte ſich am Ofen in der Mitte des Gerichtsſaales. Die langweilige Stille des Ortes wurde nur durch das Kniſtern des Feuers und die Stimme eines der Doctoren unterbrochen, welcher gemächlichen Schrittes durch eine vollſtändige Bibliothek von Actenſtücken wanderte und auf ſeiner Reiſe von Zeit zu Zeit ſtehen blieb, um in kleinen Gaſthaäuſern von Beweisgründen einzukehren. Kurz und gut, in meinem ganzen Leben habe ich nicht Gelegenheit gehabt, ſolch eine lederne, langweilige, alt⸗ modiſche, urweltliche, verſchlafene kleine Geſellſchaft zu ſehen, als dieſe, und ich fühlte, es würde wie ein entſchiedenes Einſchläferungsmittel auf mich wirken, wenn ich in irgend einer Stellung ausgenommen vielleicht als bei der Entſcheidung Betheiligter dazu gehörte.

Sehr zufriedengeſtellt mit der träumeriſchen Natur dieſes Locals, bemerkte ich Mr. Spenlow, daß ich für dies Mal genug geſehen habe, und wir kehrten zu meiner Tante zurück, in deren Geſellſchaft ich nun die Commons verließ, und zwar ging ich aus dem Geſchäfte von Spenlow und Jorkins mit dem Bewußtſein, äußerſt jung zu ſein; denn die Schreiber klopften ſich einander mit ihrer Feder, um einander auf mich aufmerkſam zu machen.

Wir langten in Lincolns Inn Fields ohne neue Abenteuer an, ich müßte denn als ein ſolches erwähnen, daß wir einem unglückſeligen Eſel vor dem Karren eines

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