24 David Kopperfield.
nehmen Platze die gehörige Ehre zu erweiſen; hatte mich mit demſelben nicht wenig gebrüſtet und war von dem Gefühle durchdrungen geweſen, daß ich eine Zierde der Kutſche ſei. Und nun wurde ich hier, auf der erſten Station ſchon, von einem ſchäbigen Menſchen mit einem ſchieligen Auge verdrängt, der keinen andern Vorzug hatte, als daß er wie ein Miethſtall duftete und im Stande war, mehr wie eine Fliege, als wie ein menſchliches We⸗ ſen vor mir hin⸗ und herzulaufen, während die Pferde im Galopp rannten.
Ein gewiſſes Mißtrauen auf mich ſelbſt, welches mich im Leben oft bei geringfügigen Gelegenheiten überkom⸗ men hat, wo es beſſer fern geblieben wäre, wurde durch dieſes kleine Ereigniß außen auf der Poſtkutſche von Can⸗ terbury ſicherlich nicht in ſeinem Wachsthume aufgehal⸗ ten. Es war jetzt nichts nütze, daß ich meine Zuflucht zur Baßſtimme nahm. Ich ſprach den übrigen Theil der Reiſe vom Grunde meines Magens herauf, aber dennoch fühlte ich mich als völliges Nichts und entſetzlich jung.
Trotzdem war es ſpaßhaft und intereſſant, mit mei⸗ ner guten Erziehung, meiner guten Kleidung und mit Geld die Menge in meinen Taſchen, da oben, hinter vier Pferden zu ſitzen und mich nach den Orten umzuſehen, wo ich während meiner einſtigen mühſeligen Reiſe ge⸗ ſchlafen. Ich hatte Beſchäftigung für meine Gedanken im Ueberfluß bei jedem Meilenſteine, der ſich mir an der Straße zeigte. Wenn ich auf die Landſtreicher hinab⸗ blickte, an denen wir vorbeifuhren, und jene mir recht wohl erinnerlichen Galgengeſichter nach mir emporge⸗ richtet ſah, war mir's zu Muthe, als ob mich die rußge⸗ ſchwärzte Hand des Keſſelflickers wieder am Buſenſtreif meines Hemdes hielte. Als wir durch die engen Straßen


