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David Kopperfield.
Vater nach der Thür des Zimmers entgegen und hing an ſeiner Schulter. Der Ausdruck ihres Geſichts, als ſie beide nach mir blickten, erſchien mir äußerſt rührend. In dieſem ſchönen Auge lag eine ſo tiefinnige Liebe zu ihm, eine ſolche Dankbarkeit für alle ſeine Treue und Sorge, ſolch eine dringende Anſprache an mich, ihn zartfühlend zu behandeln, ſelbſt in meinen innerſten Gedanken, und keinem harten und ſtrengen Schluß gegen ihn Raum zu geben; ſte war auf einmal ſo ſtolz auf ihn und ſo hin⸗ gebend gegen ihn, und doch wieder ſo voll Mitleid und Beſorgniß, und zugleich ſo voll Vertrauen auf mich, daß nichts, was ſie geſagt haben könnte, mehr zu mir geſprochen oder mich mehr ergriffen haben würde, als dieſer Blick.
Wir waren vom Doctor zum Thee eingeladen. Wir gingen um die gewöhnliche Stunde hin und trafen den Doctor, ſeine junge Frau und deren Mutter um den Kamin im Studirzimmer ſitzen. Der Doctor, welcher über meinen Weggang ſo viel Weſen machte, als ob ich nach China abgehen ſollte, empfing mich als einen geehrten Gaſt und rief nach einem ganzen Haufen Holz, der in's Feuer ge⸗ worfen werden ſollte, damit er bei der hellen Flamme das Geſicht ſeines ehemaligen Zöglings im rechten Lichte ſehen könnte.
„Ich werde nicht viele neue Geſichter an Trotwoods Stelle mehr zu ſehen bekommen, Wickfield,“ ſagte der Doctor, indem er ſeine Hände wärmte.„Ich fange an matt zu werden und ſehne mich nach Ruhe. Noch ſechs Monate, und ich werde alle meine jungen Leutchen ver⸗ laſſen und ein ſtilleres Leben führen.“
„Sie haben während der letzten zehn Jahre immer ſo geſprochen, Doctor,“ antwortete Mr. Wickfield.
„Aber jetzt gedenke ich's auszuführen,“ erwiederte der


