Teil eines Werkes 
4. Theil (1850)
Entstehung
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David Kopperfield. 11

ob ſie es nicht auch fände. Ich mußte dies jetzt durch meine Miene verrathen haben; denn ihre Augen waren augenblicklich an den Boden geheftet, und ich ſah Thränen in denſelben.

Sag' mir, was es iſt, ſagte ſie mit leiſer Stimme.

Ich glaube aber ſoll ich ganz offen ſein, Agnes, ich, der ich ihn ſo lieb habe?

Ja, antwortete ſie.

Ich glaube, er thut ſich kein Gut mit der Gewohn⸗ heit, in die er immer mehr verfallen iſt, ſeit der Zeit, wo ich her kam. Er iſt oft ſehr angegriffen oder bilde ich mir das nur ſo ein?

Es iſt keine Einbildung, ſagte Agnes, den Kopf ſchüttelnd.

Seine Hand zittert, ſeine Rede iſt verworren, und ſeine Augen haben einen verſtörten Blick. Ich habe das die Zeit über oft beobachtet; und gerade dann, wenn er am wenigſten er ſelbſt iſt, iſt er am ſicherſten, zu irgend einem Geſchäfte abgerufen zu werden.

Durch Uriah, ſagte Agnes.

Ja, und das Gefühl, dann nicht recht geſchickt zur Durchführung zu ſein, oder den Auftrag nicht recht ver⸗ ſtanden zu haben, oder trotz ſeiner Bemühung ſeinen Zu⸗ ſtand verrathen zu haben, ſcheint ihn dann düſter zu ſtimmen, ſo daß er den nächſten Tag ſchlimmer und den folgenden noch ſchlimmer iſt, und ſo wird er ganz abge⸗ ſpannt und wüſt im Kopf. Sei nicht ängſtlich über das, was ich ſage, Agnes, aber in dieſem Zuſtande ſah ich ihn erſt neulich Abends einmal ſeinen Kopf auf ſein Schreibe⸗ pult legen und wie ein Kind weinen,

Ihre Hand fuhr leiſe über meine Lippen, während ich noch redete, und den Augenblick darauf eilte ſie ihrem