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10 David Kopperfield.
erwiederte ich, indem ich jetzt meinerſeits lachte, obwohl nicht ohne ein wenig beſchämt zu ſein.„Die Zeiten werden ſich jetzt ändern, und ich vermuthe, ich werde eines Tages fürchterlich ernſthaft und bis über die Ohren verliebt ſein. Worüber ich mich aber wundere, iſt, daß Du Dich die Zeit über nicht im Ernſte verliebt haſt, Agncs.“
Agnes lachte wieder und ſchüttelte den Kopf.
„Oh, ich weiß, Du biſt's nicht!“ ſagte ich,„weil, wenn dies der Fall geweſen wäre, Du mir's erzählt haben würdeſt. Oder Du würdeſt mir's wenigſtens“— denn ich ſah, wie ihr Geſicht von einem leiſen Erröthen über⸗ zogen wurde—„oon ſelbſt haben errathen laſſen. Aber es giebt niemand meines Wiſſens, der Dich zu lieben verdiente, Agnes. Es muß Jemand von edlerem Charak⸗ ter und durchaus würdiger, als ich jemals Jemand geſehen, er⸗
ſcheinen, bevor ich meine Einwilligung ertheile. In Zu⸗
kunft werde ich ein wachſames Auge auf alle Anbeter ha⸗ ben und ganz beſonders auf den, der Gnade findet, das kann ich Dir verſichern.“
Wir hatten bisher in einer Miſchung vertraulichen Scherzes und Ernſtes geſprochen, einem Tone, der aus unſern nahen Beziehungen, die in unſrer frühen Kindheit begonnen, ſeit lange ſchon erwachſen war. Da ſagte Agnes, indem ſie plötzlich die Augen erhob und in die meinen ſchaute und aus einem andern Tone ſprach:
„Trotwood, da hab' ich was auf dem Herzen, was ich Dich fragen möchte und wozu ſich vielleicht lange Zeit keine Gelegenheit wieder bietet— etwas, das ich, wie ich glaube, niemand anders fragen würde. Haſt Du nicht eine allmälig wachſende Veränderung an Papa bemerkt?“
Ich hatte das allerdings beobachtet und mich gefragt,


