David Kopperfield. 9
dem guten Doctor. Agnes war ganz glücklich, mich zu ſehen, und ſagte mir, das Haus wäre gar nicht mehr das alte, ſeit ich's verlaſſen.
„Wahrhaſtig, ich werde ſelbſt nicht mehr ich ſein, wenn ich weg bin,“ antwortete ich.„Mir wird's ſein, als ob ich meine rechte Hand verloren hätte, wenn ich Dich nicht mehr um mich ſehe. Obwohl das Gleichniß nicht viel beſagen will, da in meiner rechten Hand kein Kopf und kein Herz iſt. Jedermann, der Dich kennt, vertraut ſich Dir an und wird durch Dich zu ſeinem Thun und Laſſen beſtimmt, Agnes.“
„Ich glaube, Jedermann, der mich kennt, verwöhnt mich mit Schmeicheleien,“ entgegnete Agnes lächelnd.
„Nein, ſondern es iſt, weil Du Deinesgleichen nicht haſt. Du biſt ſo gut und von ſo ſanftem Gemüthe. Du haſt ſo ein mildes Weſen und biſt immer auf dem rechten Wege.“
„Du ſchwatzeſt ja,“ ſagte Agnes, indem ſie, während ſte ſich an ihren Arbeitstiſch ſetzte, in ein fröhliches Lachen ausbrach,„als ob ich die ehemalige Miß Larkins wäre.“
„Ach laß das! Es iſt nicht hübſch, mein Vertrauen ſo zu mißbrauchen,“ antwortete ich, indem ich bei der Erinnerung an das blaue Weſen, das mich einſt gefeſſelt, erröthete.„Aber ich werde Dich doch immer wieder zu meiner Vertrauten machen. Ich kann davon nicht los⸗ kommen. Wenn ich ein Leiden, oder wenn ich eine Liebe haben ſollte, immer werd' ich's Dir mittheilen, wenn Du mir's erlaubſt— ſelbſt dann, wenn ich einmal dazu kom⸗ men ſollte, mich im Ernſte zu verlieben.“
„Ei der Tauſend, Du warſt's ja immer im Ernſte!“ ſagte Agnes, indem ſie wieder lachte..
„Ohl! das war als ein Kind oder als ein Schulknabe,“


