David Kopperfield. 163
am Abende des Balls bei dem Wettrennen erdulde, wo, wie ich weiß, die älteſte Miß Larkins mit dem Militair tanzen wird, erfordern eine Entſchädigung, wenn es noch Gerechtigkeit in der Welt geben ſoll.
Meine Leidenſchaft benimmt mir alle Eßluſt und läßt mich mein neueſtes ſeidenes Halstuch alle Tage umbinden. Ich habe keine andere Hoffnung ihr zu gefallen, als wenn ich meine beſten Kleider angelegt und meine Stiefeln wie⸗ der und immer wieder blank gewichſt habe. Ich ſcheine dann der älteſten Miß Larkins würdiger zu ſein. Alles, was zu ihr gehört oder zu ihr in einem Zuſam⸗ menhange ſteht, iſt ein Kleinod für mich. Mr. Larkins, ein grober alter Herr mit einem Doppelkinn und einem unbeweglichen Auge im Kopfe, iſt voll vom höchſten In⸗ tereſſe für mich. Wenn ich ſeine Tochter nicht treffen kann, gehe ich dahin, wo es wahrſcheinlich iſt, daß ich ihn treffe. Zu ihm zu ſagen:„Was machen Sie, Herr Lar⸗ kins? Sind die jungen Damen und die ganze Familie hübſch wohl?“ ſcheint ſo beziehungsvoll geſprochen, daß ich erröthe.
Ich denke fortwährend an mein Alter. Was will das ſagen, ich ſei erſt ſiebenzehn Jahr, und ſiebenzehn ſei zu jung für die älteſte Miß Larkins! Außerdem werd' ich in einem Zeitraume, der kaum den Namen Zeitraum verdient, einund⸗ zwanzig ſein. Ich mache regelmäßig des Abends meinen Spaziergang außen vor Mr. Larkins Hauſe, obwohl mir's das Herz zerſchneidet, die Officiers hineingehen zu ſehen oder ſie oben im Geſellſchaftszimmer ſprechen zu hören, wo die älteſte Miß Larkins die Harfe ſpielt. Ich ſchleiche ſogar zwei oder drei Mal, nachdem die Familie zu Bett gegangen, bleich und wankenden Schrittes aber und abermals rings um
11*


