162 David Kopperſield.
Was ſind außer den Veränderungen in meinem Wuchſe, meinen Zügen, und dem Wiſſen, das ich während dieſer ganzen Zeit aufgeſpeichert, ſonſt noch für Verände⸗ rungen mit mir vorgegangen? Ich trage eine goldene Uhr und Kette, einen Ring auf meinem kleinen Finger und einen Rock mit langen Schößen, und ich verbrauche ein gutes Theil Bärenfett⸗Pomade— was im Vergleich zu dem Ringe betrachtet, ſich ſchlecht ausnimmt. Bin ich wieder verliebt? Ich bin's. Ich bete die älteſte Miß Lar⸗ kins an.
Die älteſte Miß Larkins iſt eben kein kleines Mäd⸗ chen mehr. Sie iſt ein langes, ſchwarzäugiges Frauen⸗ zimmer mit dunklem Teint und einer ſchönen Figur. Die älteſte Miß Larkins iſt durchaus kein Backfiſch; denn die jüngſte iſt das nicht, und die älteſte muß drei bis vier Jahre älter ſein. Vielleicht mag die älteſte Miß Larkins gegen dreißig Sommer zählen. Meine Leidenſchaft für ſte überſteigt alle Gränzen.
Die älteſte Miß Larkins iſt mit Officieren bekannt. Es iſt dies ein entſetzliches Ding, das ſich kaum ertragen läßt. Ich ſehe, wie ſie mit ihnen auf der Straße ſpricht. Ich ſehe ſte quer über die Gaſſe kommen, um ihr zu be⸗ gegnen, wenn ſie ihren Hut(ſie findet Geſchmack an hel⸗ len Hüten) auf dem Straßenpflaſter herabkommen ſehen, in Begleitung des Hutes ihrer Schweſter. Sie lacht und ſchwatzt und es ſcheint ihr zu gefallen. Ich verwende einen guten Theil meiner mir kärglich zugemeſſenen Zeit darauf, daß ich die Straßen auf und ab wandele, ihr zu begeg⸗ nen. Wenn ich ihr einmal am Tage eine Verbeugung gemacht habe(ich darf ſie als Bekannter von Mr. Larkins grüßen) bin ich glücklicher. Ich verdiene dann und wann eine Verbeugung. Die wüthenden Seelenkrämpfe, die ich


