158 David Kopperfield.
Jungen, der nicht das geringſte Verdienſt hat! Die Kluft zwiſchen mir und Miß Shepherd erweitert ſich. Zuletzt begegne ich eines Tages dem Etabliſſement der Miſſes Nettingal auf einem Spaziergange. Miß Shepherd ſchneidet mir ein Geſicht, als ſie vorbeigeht, und lacht zu ihrer Begleiterin. Alles iſt vorbei. Die Hingebung für ein ganzes Leben,— es ſcheint wenigſtens ein ganzes Le⸗ ben, und es iſt ganz daſſelbe— iſt zu Ende; Miß Shepherd wird im Morgengottesdienſte ausgelaſſen und hat keinen Zutritt mehr unter die königliche Familie.
Ich nehme einen höhern Platz in der Schule ein, und Niemand ſtört mich mehr in meiner Gemüthsruhe. Ich bin jetzt durchaus nicht mehr höflich gegen die jungen Damen der Miſſes Nettingal und würde nach keiner von ihnen mehr ſchmachten, wären ihrer auch zweimal ſo viel und wären ſie auch zwanzigmal ſo ſchön. Ich halte die Tanzſtunde für eine langweilige Geſchichte und wundere mich, warum die Mädchen nicht für ſich allein tanzen und uns bei Seite laſſen können. Ich werde eine Größe im Bau lateiniſcher Verſe und vernachläſſige die Schnürſenkel meiner Stiefel. Doctor Strong lobt mich öffentlich als einen vielverſprechenden jungen Schüler. Mr. Dick iſt außer ſich vor Freude, und meine Tante iberſendet mir mit der nächſten Poſt eine Guinea.
Das Schattenbild eines jungen Fleiſchers ſteigt auf, wie die Erſcheinung des bewaffneten Hauptes in Mac⸗ beth. Wer iſt dieſer junge Fleiſcher? Er iſt der Schrecken aller jungen Leute in Canterbury. Es läuft eine unbe⸗ ſtimmte Sage um, daß der Ochſentalg, mit welchem er ſich die Haare einreibe, ihm übernatürliche Stärke ver⸗ leihe, und daß er gegen Jeden ſeinen Mann ſtehe. Er iſt ein junger Fleiſcher mit einem breiten Geſichte, einem


