David Kopperfield. 157
Gefühle, aber endlich treffen wir durch die Gunſt des Schickſals in der Tanzſtunde zuſammen. Ich habe Miß Shepherd zu meiner Tänzerin. Ich berühre Miß Shepherds Handſchuh und fühle, wie mir ein elektriſches Nerven⸗ zittern an dem rechten Aermel meiner Jacke hinaufgruſelt und aus meinen Haaren herauskommt. Ich ſage Miß Shepherd nichts Zärtliches, aber unſre Seelen verſtehen ſich. Miß Shepherd und ich leben, um mit einander ver⸗ einigt zu werden.
Wunderlich! warum gebe ich nur der Miß Shepherd heimlich zwölf braſiliſche Nüſſe zum Geſchenk? Sie ſind kein Symbol der Liebe, ſie laſſen ſich ſchwer in ein Packet von regelmäßiger Form packen, ſie ſind ſchwer aufzu⸗ knacken, ſelbſt wenn man's zwiſchen Srabenthüren ver⸗ ſucht; und wenn ſie geknackt ſind, ſo ſind ſie ölig,— und dennoch fühle ich, daß ſie für Miß Shepherd paſſen. Weiche ſüße Zuckerbrödchen ſchenke ich desgleichen meiner Miß Shepherd und Orangen in Unzahl. Einmal küſſe ich Miß Shepherd im Zimmer, wo die Mäntel hängen. Himmel, wie wird mir! Und Hiumel, in welche Wuth und Entrüſtung gerathe ich den Tag darauf, als das flüchtige Gerücht zu meinen Ohren kommt, die Miſſes Nettingal haben Miß Shepherd in die Stocks geſteckt, weil ſte über die große Zehe gegangen!
1 Venn Miß Shepherd nun das ſtete, überall erſchei⸗ nende Thema und Gedankenbild meines Lebens iſt, wie komme ich je dazu, mit ihr zu brechen? Ich vermag es nicht zu begreifen. Und doch entſteht eine gewiſſe Kälte zwiſchen ihr und mir. Ein Geflüſter dringt zu mir, Miß Shepherd habe geſagt, ſie wünſche, daß ich nicht ſo nach ihr hinſtarre, und ſie habe erklärt, daß ſie dem jun⸗ gen Jones den Vorzug gebe— dieſem Jones!— einem


