David Kopperfield. 139
welches, wie ſie hofften, bei Niemand Anſtoß erregen würde. Es war ein ganz anſtändiges Zimmer, halb Stube, halb Küche, aber durchaus kein behagliches Zim⸗ mer. Das Theegeſchirr ſtand auf dem Tiſche, und der Keſſel brodelte auf dem Feuer des Kamins. Da befand ſich eine Schublade mit einem oben angebrachten Pulte, auf welchem Uriah des Abends las oder ſchrieb; dort lag Uriahs blaue Mappe am Boden und ſpie Papiere aus; hier wieder war eine Partie von Uriahs Büchern, über⸗ ragt von Mr. Tidd; dort in der Ecke ſtand ein Schenk⸗ tiſch, und da endlich befanden ſich die gewöhnlichen Haus⸗ geräthe. Ich entſinne mich nicht, daß irgend ein einzelnes Ding ein unluſtiges, ärmliches, knickeriges Ausſehen ge⸗ habt hätte, wohl aber erinnere ich mich, daß das ganze Zimmer dieſen Eindruck auf mich machte.
Es gehörte vielleicht zu Mrs. Heeps Demuth, daß ſie noch immer Trauerkleider trug. Trotz der langen Zeit, welche ſeit Mr. Heeps Hinſcheiden verfloſſen, trug ſte immer noch Trauerkleider. Ich glaube, die Haube ſchien eine kleine Aenderung erfahren zu haben; aber fonſt war ihr Anzug ganz ſo trauerfarben, als in den erſten Tagen der Leichenbeſtattung.
„Das iſt ein denkwürdiger Tag, wahrhaftig, mein Uriah,“ ſagte Mrs. Heep indem ſie den Thee machte, „wo Musje Kopperfield uns die Ehre ſeines Beſuchs zu Theil werden läßt.“
„Ich ſagte es ſchon, daß Du ſo denken würdeſt, Mut⸗ ter,“ antwortete Uriah.
„Wenn ich aus irgend einem Grunde gewünſcht ha⸗ ben könnte, daß Vater unter uns geblieben wäre,“ ver⸗ ſetzte Mrs. Heep,„ſo wäre es deshalb geſchehen, damit


