Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
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138 David Kopperfield.

dazu. Es giebt Leute genug, die in meinem niedern Stande mir auf den Kopf treten, ohne daß ich's noch nöthig hätte, ihre Gefühle dadurch zu beleidigen, daß ich Gelehrſamkeit beſäße. Gelehrſamkeit iſt nichts für mich. Eine Perſon wie ich thäte beſſer, nicht nach ſolchen Sachen auszuſchauen. Wenn ſo Einer fortkommen will im Leben, ſo muß er ſein Fortkommen durch Demuth ſuchen, Musje Kopperfield.

Nie ſah ich ſeinen Mund ſo breitgezogen oder die Falten in ſeinen Backen ſo tief, als da, wo er ſich dieſer Gefühle entledigte, wobei er die ganze Zeit über den Kopf ſchüttelte und beſcheiden mit dem Halſe in die Schultern fuhr.

Ich glaube, Sie haben Unrecht, Uriah, ſagte ich. Ich ſollte meinen, daß es verſchiedene Dinge gäbe, die ich Ihnen lehren könnte, wenn Sie Luſt hätten, ſie zu lernen.

Oh, das bezweifle ich nicht, Musje Kopperfield, antwortete er,nicht im Mindeſten. Aber da Sie ſelbſt nicht von niedrer Herkunft ſind, ſo urtheilen Sie vielleicht nicht richtig über die, welche es ſind. Ich mag die, welche mehr wie ich ſind, nicht durch Gelehrſamkeit zum Angriff auf mich auffordern, danke Ihnen. Ich bin viel zu gering. Hier iſt meine geringe niedere Wohnung, Musje Kop⸗ perfield.

Wir traten in ein niedriges altmodiſches Zimmer, gingen geradewegs von der Straße hinein und trafen dort Mrs. Heep, welche das leibhaftige Ebenbild Uriahs, nur kleiner, war. Sie empfing mich mit der äußerſten Demuth und entſchuldigte ſich gegen mich, daß ſie ihrem Sohn einen Kuß gab, indem ſie bemerkte, daß ſie, ſo ge⸗ ring ſie auch ſeien, doch ihre natürlichen Gefühle hätten,