Teil eines Werkes 
3. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18 David Kopperfield.

damit! und in einem Augenblicke hatte er mir's ab⸗ geriſſen und es dem Weibsbilde zugeworfen.

Dieſe brach in ein lautes Gelächter aus, als ob ſie es für einen Spaß hielte, warf mir's wieder zu und nickte abermals ſo unmerklich wie vorher und ſpitzte ihre Lip⸗ pen, als ob ſie ſagen wollte:Geh! Ehe ich jedoch dieſer Warnung Folge leiſten konnte, riß mir der Keſſel⸗ flicker das Halstuch mit einer ſolchen Heftigkeit aus der Hand, daß er mich wie eine Feder zu ſich hinzog, und indem er es loſe ſich ſelbſt um den Hals ſchlang, wandte er ſich mit einem Fluche nach dem Frauenzimmer um und warf ſie mit einem Schlage zu Boden. Nie werde ich es vergeſſen, wie ſie rücklings auf die harte Straße nieder⸗ ſtürzte, daß die Haube davonflog und ihr Haar ganz weiß vom Staube wurde, und nimmer, wie ich mich aus der Entfernung umſchaute und ſie auf dem Fußwege, wo neben der Straße eine Bank war, ſitzen und ſich mit einem Ende ihres Halstuches das Blut vom Geſichte wiſchen ſah, wäh⸗ rend er weiter ſchritt.

Dieſes Abenteuer jagte mir ſolche Furcht ein, daß ich ſpäter, wenn ich einen von dieſen Leuten kommen ſah, jedesmal umkehrte, bis ich einen Schlupfwinkel fand, wo ich blieb, bis ſie mir aus dem Geſicht waren, und das traf ſich ſo oft, daß ich dadurch ſehr ernſtlich aufgehalten wurde.

Aber in dieſer wie in allen anderen Beſchwerlichkeiten meiner Reiſe ſchien mich das träumeriſche Bild meiner Mutter, wie ſie in ihrer Jugend, bevor ich auf die Welt kam, war, hülfreich aufrecht zu erhalten und zu führen. Es leiſtete mir ſtets Geſellſchaft. Es war dort, unter den Hopfenranken, als ich mich zum Schlummer niederlegte;

es war bei mir, als ich am Morgen erwachte; es wandelte