Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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160 David Kopperfield⸗

Kutſche abfuhr, und ich konnte die Familie kaum ſehen vor den Taſchentüchern, die ſie ſchwenkten. In einer Mi⸗ nute war's vorbei. Das Waiſenkind und ich ſtanden in der Mitte der Straße und ſahen ſich verſtört einander an; dann gaben wir uns die Hände und nahmen Abſchied, indem ſie wahrſcheinlich in das Armenhaus von St. Lukas zurückkehrte, und ich zu Murdſtone und Grinby ging, dort mein mühſeliges Tagewerk zu beginnen.

Es war aber nicht mein Vorſatz, dort noch viele müh⸗ ſelige Tage der Art zu verbringen. Ich hatte mich ent⸗ ſchloſſen, davon zu laufen. Weg wollte ich, auf die oder die andere Weiſe, auf's Land, zu der einzigen Verwandten, die ich auf der Welt noch hatte, zu meiner Tante Miß Betſey, der ich meine Leiden zu klagen gedachte.

Ich habe bereits bemerkt, daß ich nicht weiß, wie dieſe verzweifelte Idee in mein Gehirn kam. Aber einmal dort, blieb ſte auch dort und verhärtete ſich zu einem Vorſatze, der ſtärker war, als irgend ein Vorſatz, den ich in meinem Leben genährt hätte. Ich bin durchaus nicht ſicher, daß ich den Glauben gehegt, es knüpfe ſich daran eine Hoff⸗ nung, aber ich hatte es mir in meinem Innern aufs Fe⸗ ſteſte vorgenommen, es zur Ausführung zu bringen.

Wieder und immer wieder und hundertmal wieder, ſeit der Nacht, wo mir der Gedanke zuerſt entgegenge⸗ treten und meinen Schlaf verbannt, hatte ich die alte Ge⸗ ſchichte mit meiner Mutter bei meiner Geburt durchdacht, welche ich ſie einſt mit ſo großem Vergnügen erzählen ge⸗ hört, und welche ich auswendig wußte. Meine Tante trat in dieſe Geſchichte ein, und trat wieder ab, als eine furchtbare und unheimliche Perſönlichkeit. Aber es war ein kleiner Zug in ihrem Benehmen, auf dem ich gern verweilte, und welcher mir einen ſchwachen Schatten von