David Kopperfield. 159
Ich verfehlte nicht, ihm zu verſichern, daß ich dieſe Lebensregeln in meinem Herzen bewahren wolle, obwohl es deſſen nicht bedurfte; denn zu dieſer Zeit hatte ich ſie ja deutlich ausgeprägt täglich vor Augen. Den nächſten Morgen traf ich die ganze Familie am Bureau, wo man ſich auf die Landkutſche einſchreiben ließ, und ſah ſie mit troſtloſem Herzen ihre Plätze außen auf der Rückſeite des Wagens nehmen.
„Musje Kopperfield,“ ſagte Mrs. Micawber,„be⸗ hüte Sie Gott! Ich kann alles das nimmer vergeſſen, Sie verſtehen mich, und nimmer wollt' ich's, wenn ich könnte.“
„Kopperfield,“ ſagte Mr. Micawber,„leben Sie wohl. Ich wünſche Ihnen alles nur mögliche Glück und Heil. Wenn ich im Laufe der Jahre die Ueberzeugung gewänne, daß mein trauriges Geſchick für Sie eine War⸗ nung geweſen wäre, ſo würde ich mich freuen, daß ich den Platz eines Andern nicht ganz umſonſt eingenommen hätte. Im Falle ſich die Sachen irgendwie zum Beſten wen⸗ den, was ich zuverſichtlich hoffe, ſo werde ich mich außer⸗ ordentlich glücklich fühlen, wenn es in meiner Macht ſteht, Ihnen förderlich zu ſein.“
Ich glaube, als Mrs. Micawber mit den Kindern ſo da oben auf dem Rückſitze der Kutſche ſaß, und ich betrübt unten auf der Straße ſtand, verzog ſich's wie ein Nebel von ihren Augen, und ſie ſah, was für ein armes kleines Weſen ich in der That war. Ich glaube dies, weil ſie mich mit einem völlig neuen Ausdrucke mütterlicher Zärt⸗ lichkeit auf ihrem Antlitze heraufſteigen hieß und ihren Arm um meinen Nacken ſchlang und mir einen Kuß gab, wie ſie ihn ihrem eignen Knaben gegeben haben würde. Ich hatte nur noch Zeit, wieder herunter zu ſteigen, als die


