156 David Kopperfield.
nebenbei meinem Charakter das höchſte Lob zu ertheilen, welches ich wirklich auch verdiente. Mr. Quinion rief Tipp, den Tagelöhner, welcher verheirathet war und eine Stube zu vermiethen hatte, herein und quartierte mich im Voraus bei ihm ein— unter unſrer beiderſeitigen Ueber⸗ einſtimmung, wie er allen Grund hatte zu denken; denn ich ſagte nichts dazu, obwohl mein Entſchluß jetzt ge⸗ faßt war.
Bis die Zeit ablief, welche wir noch unter demſelben Dache verleben ſollten, verbrachte ich meine Abende mit Mr. und Mrs. Micawber, und mir iſt, als wären wir, je mehr dieſer Zeitraum ſich ſeinem Ende näherte, immer beſſere Freunde geworden. Den letzten Sonntag luden ſie mich zu Tiſche ein, wo wir eine Schweinslende, Aepfel⸗ ſauce und einen Pudding hatten. Ich hatte den letzten Abend ein ſcheckiges Steckenpferd zum Abſchiedsgeſchenke für den kleinen Wilkins Micawber— das war der Knabe— und eine Puppe für die kleine Emma gekauft. Und ebenſo hatte ich dem Waiſenkinde, welches entlaſſen werden ſollte, einen Schilling geſchenkt.
Wir verlebten einen recht vergnügten Tag, obwohl
wir über unſre nahe bevorſtehende Trennung alle voll
zärtlicher Betrübniß waren.
„Ich werde niemals,“ verſetzte Mrs. Micawber,„an die Periode zurückdenken, wo Mr. Micawber in bedräng⸗ ten Verhältniſſen war, ohne mich Ihrer zu erinnern. Ihr Benehmen war ſtets von der zartfühlendſten und verbind⸗ lichſten Art. Niemals ſind Sie unſer Abmiether, ſondern immer unſer Freund geweſen.“
„Meine Liebe,“ ſagte Mr. Micawber,„Kopperfield (ſo nämlich hatte er ſich in der letzten Zeit gewöhnt, mich zu nennen) beſitzt ein Herz, welches für die Noth ſeiner


