David Kopperfield. 155
Leute gehen zu müſſen, ſo zu Muthe war, wie wenn jene Lage auf's Gerathewohl in mein gegenwärtiges Leben ver⸗ ſetzt würde, wo ich doch durch eine Bekanntſchaft mit der⸗ ſelben, wie ſie mir die Erfahrung verſchaffte, vorbereitet wäre. Alle die Empfindungen und Gefühle, welche jene Lage ſo grauſam verwundete, alle die Scham und all der Jammer, welche ſie in meiner Bruſt nährte, wurden zu größerer Peinigung, wenn ich an dieſe Zukunft dachte, und ich war mit mir im Reinen, daß ein ſolches Leben uner⸗ träglich ſei.
Daß ich dem nicht entgehen könne, wenn ich nicht ſelbſt Hand anlegte, ihm zu entgehen, wußt ich ganz wohl. Selten hörte ich etwas von Miß Murdſtone, nie⸗ mals etwas von Mr. Murdſtone; indeß waren zwei oder drei Mal Bündel neuer oder ausgebeſſerter Kleidungs⸗ ſtücke für mich angekommen, welche an Mr. Quinion adreſſirt waren, und in denen jedes Mal ein Papierſtreifen lag, auf welchem„J. M. die zuverſichtliche Hoffnung hegte, daß D. K. ſich gehörig in ſeine Geſchäfte ſchicke und ſich ganz der Erfüllung ſeiner Pflichten widme“— nicht der undeutlichſte Wink, daß ich niemals etwas Anderes werden ſollte, als der niedere Plackeſel, zu dem ich ſo ſchnell herabgeſunken war.
Schon der nächſte Tag, wo mein Gemüth noch in der erſten Aufregung über das war, was ich vernommen hatte, zeigte mir, daß Mrs. Micawber nicht ohne guten Grund von ihrem Wegzuge geſprochen hatte. Sie nahm in dem Hauſe, wo ich wohnte, eine Stube für eine Woche, nach Verlauf welcher Zeit ſie nach Plymouth aufzubrechen ge⸗ dachte. Mr. Micawber ſelbſt kam am Nachmittage in's Comptoir, um Mr. Quinion zu ſagen, daß er mich am Tage ſeiner Abreiſe mir ſelbſt überlaſſen müſſe, und um
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