Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

154 David Kopperfield. licher Tag geweſen! Wir ſtehen nun ganz allein Alles hat uns verlaſſen!

Mr. Micawber drückte mir die Hand und ſeufzte und vergoß dann ſogar Thränen. Ich war äußerſt gerührt, aber zugleich in meiner Erwartung getäuſcht; denn ich hatte erwartet, wir würden voll Freude ſein über dieſen glücklichen Fall, nach welchem wir ſo lange ausgeſchaut hatten. Aber Mr. und Mrs. Micawber waren an ihre alten bedrängten Umſtände ſo gewöhnt, daß ſie ſich, bei der Betrachtung angelangt, daß ſie davon befreit ſeien, geradezu wie Schiffbrüchige vorkamen. All ihre Elaſti⸗ cität war dahin, und ich ſah ſte nimmer auch nur halb ſo unglücklich, als dieſen Abend; und dies ging mir ſo zu Herzen, daß ich, als die Glocke klang, und Mr. Micawber mit mir ins Stübchen ging und dort von mir mit einemBehüte Sie Gott! Abſchied nahm, mich fürchtete, ihn allein zu laſſen, ſo tief innerlich ſchien ſein Jammer zu ſein.

Aber durch all dieſe Verwirrung und Betrübniß, in die wir, ſo unerwartet für mich, verwickelt worden waren, unterſchied ich deutlich die Abſicht, daß Mr. und Mrs. Mieawber mit ihrer Familie London verlaſſen wollten, und daß eine Trennung zwiſchen uns nahe bevorſtand. Es war auf meinem Nachhauſewege dieſen Abend und in den darauf folgenden ſchlafloſen Stunden im Bette, daß mir wie und woher, weiß ich nicht zum erſten Male ein Gedanke entgegentrat, welcher ſich ſpäter zu einem Entſchluſſe geſtaltete.

Ich hatte mich ſo ſehr an die Micawbers gewöhnt, und war ſo innig verwachſen mit ihnen und ihren trau⸗ rigen Umſtänden, und ſo ganz und gar ohne Freunde außer ihnen, daß mir bei der Ausſicht, in einen neuen Wohnungs⸗ wechſel geworfen zu ſein und abermals unter unbekannte

5