David Kopperfield. 139
Ich begriff jetzt Mrs. Micawber und bat ſie, unbe⸗ ſchränkt über mich zu verfügen. Ich machte mich noch dieſen ſelben Abend über den Verkauf des beweglicheren Theiles der Habe her und ging alle Morgen, bevor ich mich zu Murdſtone und Grinby begab, auf eine ähnliche Expedition aus.
Mr. Micawber hatte auf einer kleinen Chiffoniere einige wenige Bücher ſtehen, welche er die Bibliothek nannte. Dieſe mußten zuerſt ſpringen. Ich trug ſie, eines nach dem andern, in einen kleinen Buchladen in der Altſtädter Straße— deren einer Theil, und zwar der in der Nähe unſers Hauſes gelegene, faſt aus nichts, als aus Buchhandlungen und Laden mit Singvögeln be⸗ ſtand— und verkaufte ſie für das, was man geben wollte. Der Trödler, dem dieſer Laden gehörte, wohnte in einem kleinen Hauſe dahinter und hatte die Gewohnheit, ſich alle Abende einen Spitz zu kaufen und dafür alle Morgen von ſeiner Frau furchtbar ausgezankt zu werden. Mehr als einmal, wenn ich zeitig dorthin kam, gab er mir in ſeinem Bette, deſſen Decke zurückgeworfen war, Audienz. Dann hatte er gemeiniglich einen Riß in der Stirn oder ein blaues Auge, Zeugen ſeiner nächtlichen Ausſchweifungen (ich fürchte, er ſuchte Händel, wenn er betrunken war) und mit zitternder Hand mühte er ſich ab, die nöthigen Schil⸗ linge aus der einen oder der andern Taſche ſeiner Kleider herauszufinden, welche auf der Diele lagen, während ſeine Frau, welche mit niedergetretenen Schuhen, ein kleines Kind auf dem Arme, hin und her ſchlürfte, unaufhörlich
ihm die Leviten las. Manchmal hatte er ſein Geld ver⸗
loren, und dann pflegte er mich zu bitten, wieder zu kom⸗ men, aber ſeine Frau hatte immer einiges— ich vermuthe, aus ſeiner Taſche genommen, während er betrunken war—


