David Kopperfield. 17
und mit dem Buche auf das Pult ſchlug.„Was ſoll das heißen? Das iſt ja nicht zum Aushalten. Man könnte verrückt werden davon. Wie könnt ihr euch ſo gegen mich benehmen, Knaben?“
Es war mein Buch, mit dem er auf das Pult ſchlug, und da ich neben ihm ſtand und ſeinem Auge folgte, wie es das Zimmer überflog, ſah ich alle die Knaben inne⸗ halten, einige wie plötzlich überraſcht, andere halb er⸗ ſchrocken, noch andere vielleicht ängſtlich.
Steerforths Platz war im Hintergrunde der Schul⸗ ſtube, am entgegengeſetzten Ende des langen Zimmers. Er lehnte ſich mit dem Rücken gegen die Wand, hatte die Hände in den Taſchen ſtecken und ſah Mr. Mell, als dieſer auf ihn die Augen richtete, mit geſpitztem Munde an, als ob er pfiffe.
„Ruhe, Mr. Steerforth!“ ſagte Mr. Mell.
„Sein Sie ſelber ruhig!“ entgegnete Steerforth roth werdend.„Wiſſen Sie, mit wem Sie reden?“
„Setzen Sie ſich,“ ſagte Mr. Mell.
„Setzen Sie ſich ſelber,“ antwortete Steerforth,„und kümmern Sie ſich um Ihre Arbeit.“
Darauf folgte ein Geflüſter und einige Beifallsrufe; aber Mr. Mell war ſo blaß geworden, daß es augenblicklich ſtille wurde und ein Knabe, welcher ſich unterſtanden, hinter ihm noch einmal ſeine Mutter nachzuäffen, in ſich ging und that, als ob er eine Feder geſchnitten haben wollte.
„Wenn Sie ſich einbilden, Steerforth,“ ſagte Mr. Mell,„daß mir die Macht nicht bekannt iſt, welche Sie über alle Gemüther hier ausüben“— dabei legte er, und zwar vermuthlich ohne zu überlegen, was er that, ſeine Hand auf meinen Kopf—„oder daß ich Sie nicht
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