David Kopperfield. 15
und ſelten eine Gelegenheit unbenützt ließ, ſeine Gefühle zu verwunden oder Andere aufzuhetzen, ihm ſo zubegegnen. Dies bekümmerte mich eine lange Zeit um ſo mehr, als ich Steerforth, vor dem ich ſolch ein Geheimniß ebenſo wenig zu bewahren vermochte, als ich ihm einen Kuchen oder irgend ein anderes eßbares Beſitzthum vorenthalten konnte, ſehr bald von den beiden alten Frauen erzählt hatte, zu denen Mr. Mell mich mit auf Beſuch genommen hatte, und ich war in ſteter Angſt, daß Steerforth dies verlau⸗ ten laſſen und es ihm vorwerfen werde.
Ich möchte behaupten, daß keiner von uns beiden,
als ich an jenem erſten Morgen mein Frühſtück verzehrte und im Schatten der Pfauenfedern beim Klange ſeiner Flöte einſchlief, ſich es hätte träumen laſſen, was für Folgen die Einführung meiner unbedeutenden Perſönlichkeit in dieſe Armenhäuſer haben würde. Aber dieſer Beſuch hatte ſeine unvorhergeſehenen Folgen, und zwar in ihrer Art ſehr ernſte Folgen.
Eines Tages, als Mr. Creakle wegen Unpäßlichkeit ſein Zimmer hütete, ein Umſtand, welcher natürlich die lebhafteſte Freude über die ganze Schule verbreitete, war nach der Morgenlection ein gutes Theil Lärmen im Zimmer. Die große Erleichterung und die daraus hervorgehende innere Zufriedenheit äußerte ſich bei den Knaben auf eine Weiſe, bei der ſie ſich ſchwer im Zaume halten ließen, und wenn auch der gefürchtete Tungay ein oder zwei Mal mit ſeinem Stelzbein hereinhumpelte und die hauptſäͤch⸗ lichſten Spektakelmacher aufnotirte, ſo machte das nicht viel Eindruck, indem man wußte, daß man, mochte man thun, was man wollte, der Fuchtel auf morgen doch nicht entgehen konnte, und es zweifelsohne für weiſe hielt, ſich heute ſeiner Freiheit zu freuen.


