12 David Kopperfield.
Indeß will ich mir hierbei nicht ſelbſt Unrecht thun. Ich wurde weder von einem eigennützigen oder ſelbſtſüch⸗ tigen Beweggrunde, noch von Furcht vor ihm geleitet. Ich bewunderte und liebte ihn, und ſein Beifall war mir Lohns genug. Es war mir derſelbe ſo koſtbar, daß ich noch jetzt auf dieſe Geringfügigkeiten mit Wehmuth im Herzen zurückblicke.
Steerforth war auch einſichtsvoll und billig, und er bewies ſeine billige Denkungsart vorzüglich in einem Falle in einer unbeugſamen Weiſe, welche vermuthlich für den armen Traddles und die Uebrigen ein Bischen nach den Qualen des Tantalus ſchmeckte. Peggotty's verſprochner Brief— ach, was war's für ein lieber prächtiger Brief!— kam an, ehe das Halbjahr viele Wochen alt war, und mit ihm ein Kuchen, wie eine Henne auf den Eiern, mit Orangen umgeben, nebſt zwei Flaſchen Schlüſſelblumen⸗ wein. Dieſen Schatz legte ich pflichtſchuldigſt zu Steer⸗ forths Füßen und bat ihn, mit der Vertheilung zu be⸗ ginnen.
„Schön, aber ich will Dir was ſagen, kleiner Kopper⸗ field,“ ſagte er,„der Wein ſoll aufbewahrt werden, um Deine Kehle anzufeuchten, wenn Du Geſchichten erzählſt.“
Ich erröthete bei dieſer Idee und bat ihn, in meiner Beſcheidenheit, doch lieber nicht daran zu denken. Aber was half's, er ſagte, er habe bemerkt, daß ich dann und wann heiſer ſei(ein wenig heiſch, war ſein Ausdruck, um genau zu ſein) und ſo ſollte jeder Tropfen dem erwähnten Zwecke gewidmet ſein. In Folge deſſen wurde das Getränk in ſeinen Koffer verſchloſſen, von ihm ſelbſt in ein Fläſchchen abgegoſſen und mir durch einen durch den Kork geſteckten Federkiel gereicht, wenn er vermuthete, daß ich einer Erquickung bedürfte. Manchmal war er, um es zu


