David Kopperfield. 153
will für Dich thun, was in meinen Kräften ſteht. Ich kann ausgehen, wenn ich Luſt habe, und den Bettel her⸗ einſchmuggeln.“ Mit dieſen Worten verſenkte er das Geld in ſeine Taſche und rieth mir freundlich, mir keine Sorge zu machen; er würde bemüht ſein, daß Alles in Richtigkeit wäre.
Er war ſo gut, wie er redete, wenn nämlich Alles ſo in Richtigkeit war, wie mir eine geheime Mißbilligung meines Gewiſſens ſagte, daß es beinahe Alles unrecht ſei; denn ich fürchtete, es ſei eine Verſchwendung der zwei halben Kronen meiner Nutter, obſchon ich das Stück Papier, in das ſie gewickelt waren, aufgehoben hatte, was fürwahr eine koſtbare Erſparung war.
Als wir die Treppe hinauf zu Bett gingen, brachte er den ganzen Ertrag der ſteben Schillinge hervor, breitete es auf mein Bett im Mondlichte aus und ſagte:„Da biſt Du, kleiner Kopperfield, und eine wahrhaft königliche Tafel haſt Du gedeckt für Dich.“ Ich konnte nicht daran denken, die Honneurs des Feſtes zu machen, während er, der Aeltere, dabei war. Meine Hand zitterte bei dem bloßen Gedanken daran. Ich bat ihn, mir die Ehre zu erweiſen, den Vorſitz zu führen, und da mein Verlangen von den andern Kna⸗ ben, welche in dieſem Saale lagen, unterſtützt wurde, ſo gewährte er es und ſetzte ſich auf mein Kopfkiſſen, die Speiſen herumzureichen— was er, wie ich bekennen muß, mit vollkommener Gewandtheit that— und den Johannisbeerwein in einem kleinen Glaſe ohne Fuß zu vertheilen, welches ihm eigenthümlich zugehörte. Was mich betrifft, ſo ſaß ich zu ſeiner Linken, und die Uebrigen waren um uns auf den nächſten Betten und auf der Diele gruppirt.


