David Kopperfield. 139
Pappendeckel auf und nieder und guken mit ihren rothen Aeuglein in alle Winkel, um etwas zu freſſen zu finden. Ein Vogel in einem Käfig, nur wenig dicker als er ſelbſt, macht ein eintöniges Geräuſch, indem er bald auf ſeinen zwei Zoll hohen Sitzſtengel, bald wieder herunter hüpft; aber er ſingt weder noch zwitſchert er. Die Stube erfüllt ein ſonderbarer unangenehmer Geruch, wie von müffigen Corduroys*), ſüßen Aepfeln, zu denen die Luft nicht kann, und wurmſtichigen Büchern. Es könnte nicht gut noch mehr Tinte auf den Boden geſpritzt ſein, ſelbſt wenn es von ſeiner Erbauung an ohne Dach geweſen wäre und die Wolken Jahr aus Jahr ein Tinte hinein geregnet, geſchneit, gehagelt und geweht hätten.
Da Mr. Mell mich verlaſſen, um ſeine unheilbaren Stiefel hinauf zu tragen, ging ich langſam und leiſe nach dem obern Ende des Zimmers, wobei ich die eben mitge⸗ theilten Beobachtungen machte. Plötzlich ſtieß ich auf einen auf Pappendeckel gezogenen Zettel, welcher am Boden lag und in ſchön geſchriebenen Buchſtaben die Worte trug:
„Nimm dich in Acht vor ihm. Er beißt!“
Augenblicklich ſprang ich auf einen der Tiſche, indem ich zum Mindeſten einen großen Hund in der Stube ver⸗ muthete. Aber obwohl ich mich mit ängſtlichen Blicken überall ringsherum umſah, konnte ich doch nichts von ihm erſpähen. Ich war noch mit dieſer Umſchau beſchäftigt, als Mr. Mell zurückkam und mich fragte, was ich da oben machte.
*) Ein jetzt aus der Mode gekommenes dichtes Tuch mit er⸗ habenen Streifen, welches vorzugsweiſe zu Kinderbeinkleidern be⸗
nutzt wurde und, ſobald es in die Näſſe kam, ſehr übel roch.


