138 David Kopperfield.
von dem urſprünglichen Stiefel mehr dran, und wunderte ſich, wie Sie ſo was erwarten könnten.“
Mit dieſen Worten warf er die Stiefel Mr. Mell zu, welcher ein paar Schritte zurückging, um ſie aufzu⸗
leſen, und ſie, als wir zuſammen weiter ſchritten, mit einer,
wie ich bemerkte, äußerſt verzweifelten Miene betrachtete. Ich machte ſodann die Beobachtung, daß auch die Stiefel, welche er anhatte, ein gutes Theil zu ſchlecht waren, um getragen zu werden, und daß ſeine Gamaſche an einer Stelle gerade wie eine Knoſpe aufſprang.
Salem Houſe war ein viereckiges Ziegelgebäude mit Flügeln, kahl und ohne alle Zierrath von Außen. Seine ganze Umgebung war ſo ſtill, daß ich zu Mr. Mell ſagte, ich vermuthe, die Knaben ſeien ausgegangen; aber er ſchien verwundert, daß ich nicht wüßte, wie jetzt Ferien, und wie alle die verſchiedenen Knaben in ihrer Heimat ſeien; und wie Mr. Creakle, der Eigenthümer der Schul⸗ anſtalt, mit Mrs. und Miß Creakle unten an der See und wie ich zur Strafe für meine Miſſethat in der Ferien⸗ zeit hier hergeſchickt worden ſei, was er mir Alles auf dem Wege auseinander ſetzte.
Das Schulzimmer, in welches er mich führte, erſchien meinen Blicken als der ödeſte und troſtloſeſte Ort, den ich je geſehen. Ich ſeh' es noch jetzt vor mir. Eine lange
Stube mit drei langen Reihen Tiſche und ſechs Reihen Bänke, alle Wände von Pflöcken für Hüte und Schiefer⸗ tafeln ſtarrend. Fetzen von alten Schreibebüchern und Aufſätzen ſind unordentlich auf die ſchmutzigen Dielen geſtreut. Mehre Raupengeſpinnſte, gefertigt aus den⸗ ſelben Stoffen, finden ſich zerſtreut über den Schultiſchen. Zwei unglückſelige kleine weiße Mäuſe, welche ihr Beſitzer zurückgelaſſen, rennen in einem müffigen Schlößchen aus
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