während ihres letzten Beſuchs bei uns manchen Verweis um ſeinetwillen bekommen. Sie war Gattin und mußte mehr zu ihrem Manne als zu ihrem Vater halten. Alles gut— mag ſie eine Weile trauern. Sein unerwartet ſchneller Hintritt hat ihr gefühlvolles Herz ſehr ange⸗ griffen; allein die Zeit wird ihre Trauer ſchon heilen, ohnehin kann dieſe keine ſehr tiefe Wurzeln ſchlagen. Da der ſelige Kammerjunker nun in ſchönſter Ruhe ſchläft, können wir vielleicht, mit Gottes Hülfe, hoſſen, daß unſre alten Hoffnungen neue Schoſſe treiben, verſteht ſich, zu ſeiner Zeit. Hortenſe wird Ihr Trauerjahr zu Forshälla zubringen. Freundliche Gruͤße an Dein ganzes Haus von Deinem alten Thorſen.“
Daß dieſer Brief von der Bundler'ſchen Familie, ungeachtet des ſchwarzen Sigels, als kein Trauerbrief angeſehen ward, verſteht ſich von ſelbſt. Uebrigens wurde ſeiner nachher nicht mehr erwähnt; denn offenbar hatte der junge Bürgermeiſter keine Freude daran wenn man den Gegenſtand berührte.
Zwiſchen den Alten behielt der Briefwechſel nach wie vor ſeinen Fortgang; allein es verfloßen Wochen, Monate, ein halbes Jahr, ja faſt das ganze Wittwenjahr, ohne daß Gotthard auch nur eine Silbe von einer Reiſe geſprochen hätte. Alle beſaßen zu viel Zartgefühl, um deßhalb eine Frage an ihn zu ſtellen; man wunderte ſich bloß darüber und konnte es nicht begreifen. Nur Her⸗ mann ſagte immer:„Laßt ihn gewähren, er wird ſeinen Entſchluß ſchon auf eigne Hand faſſen.“.
Still und ernſt beſorgte unterdeſſen Gotthard ſeine Geſchäfte und ſchien mehr an die Angelegenheiten der
Stadt, als an die ſeinigen zu denken. In Wirklichkeit. b
dachte er aber nicht minder an die letzteren; allein er that dieß mit Verſtand und von einem ganz andern Ge⸗
ſichtspunkte aus, als früher. Es war nicht mehr das
——⏑9—*
ͤ——
ſtürmende, überſchwellende Gefühl, welches den Himmel
zur Erde herabreißen wollte und, um ſeinen Egoismus
1


