Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ziemlich gut mit einander gelebt. Sie hat

M

Indem trat der junge Bürgermeiſter ein. „Die Handſchrift iſt mir bekannt; weißt Du nicht, von wem ſie iſt, Gotthard?“ fragte der Vater.

„Großer Gott, der Brief iſt von Forshälla; es iſt Lidners Hand.“.

Gotthard wurde leichenblaß; der Gedanke an ſeinen biedern Freund, ſeinen zwelten Vater, den edlen, alten Thorſen, fiel ihm mit Zentnerſchwere auf das Herz.

Zitternd ſetzte der Doktor die Brille auf und erbrach das Sigel; kaum hatte er aber hineingeſehen, ſo ſchöpfte er tief Athem, denn es bemächtigte ſich ſeiner ein Gefühl, welches zu damaliger Zeit ſelten war, nämlich Freude.

Die Unterſchrift des Amtmanns ſtand unter dem Briefe, welcher Folgendes enthielt:

„Lieber, alter Freund!“

Wenn auch nicht in gehöriger Form, was auch in ſo betrübten Zeiten gleichgültig ſeyn kann, wo alle Formen und Rückſichten wegfallen, melde ich Dir, daß mein Schwiegerſohn, der Herr Kammerjunker Friedrich Wilhelm Weſtelli bei ſeiner Reiſe von Stockholm nach Forshälla zu B... an der Cholera erkrankt und geſtorben iſt. Obgleich die arme Hortenſe ſeine Wärterin war, blieb ſie doch glücklich verſchont und iſt nun, Gott ſey Dank, bei ihren Eltern. Heucheln konnte ich nie, das weißt Du, Bruder; deßhalb ſage ich: der Wille des Herrn ſey geprieſen! Er thut, was er für das Beſte hält. Weſtelli hatte einen paniſchen Schrecken vor der Cholera und wollte ihr, ſo wie ſie nach Stockholm kam, entfliehen. Auf dem Lande hielt er ſich am ſicherſten vor der Peſt⸗ luft, kam aber kaum halbwegs Forshälla, als ihn die gefürchtete Feindin ſchon faßte.

Meine Frau und die junge Wittwe ſeufzen um die

— Wette. Daß Hortenſe ihren Mann nicht liebte, wiſſen

wir wohl; allein ſie war eine ſanfte und verſtändige

—§attin und die Gewohnheit thut auch das ihrige, das

fißt ſich nicht läugnen. Deßhalb haben ſie, wie man es

1