Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
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230 Einundzwanzigſtes Kapitel.

Es waren ein paar Monate vergangen, die gelben

Herbſtblätter bedeckten die Erde und die wachſenden Stürme verkündeten das Beginnen der Jahreszeit, wo die weißen hoch ſchwellenden Wogen ihr großes Todten⸗ feſt feiern, zu welchem jedes Volk auf Erden ſeine Opfer geben muß. Es war ein Abend im Anfange des Oktober. Dok⸗ tor Dahls Haus war hell erleuchtet, ein Zeichen, daß ein Familienfeſt gefeiert werden ſollte,— der Geburtstag von Doktor Dahls zweijährigem Sohne Eberhard. Die junge Wirthin, die relzende Hulda, welche das ohrenfeſte, feine Spitzenhäubchen und der Schlüſſelbund an der Seite unvergleichlich kleideten, ging, ihre kleine Tochter auf dem Arme, im Zimmer umher und wiſchte da und dort ein Stäubchen mit dem Taſchentuche ab, während ſie entweder mit dem Kinde koste oder horchte, ob ſie nicht den Tritt ihres Mannes von der Treppe her höre. Sie vernahm jetzt das wohlbekannte Geräuſch der Klinge und mit einem ſo hellen Freudenroth auf den Wangen, wie eine liebende Braut bei dem Nahen des Geliebten, eilte Hulda durch das Vorzimmer in den Saal, gerade in die geöffneten Arme ihres Gatten.

„Drei ganze Tage biſt Du fort geweſen!“ ſchmählte ſie.„Es iſt doch ſchrecklich mit dem ewigen Reiſen, Krankenbeſuchen, Berathungen u. dergl., welche Dich uns immer entführen. Es iſt Dir doch nicht ſchlimm gegan⸗ ſen 7'eber Hermann; der Weg wird doch nicht ſchlecht eyn 64

„Ach was! Alles Elend, alle Mühſeligkeit und Be⸗ ſchwerde iſt vergeſſen; es gibt keine mehr und hat keine gegeben, wenn ich Dich in meinen Armen halte. O Du, gute, liebe, theure Hulda, jedesmal, ſo oſt ich wieder in mein liebes Haus heimkehre, danke ich Gott inniger für