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Mit einer leichten, achtungsvollen Verbeugung ging er an Hortenſe vorüber und blieb mit einem flummen, aber ausdrucksvollen Kopfſchütteln vor Hedda's Lager ſtehen. Die Hände der Kranken lagen bereits in den ſeinigen; ihre Blicke redeten eine Sprache, welche ſie ſelbſt am beſten verſtanden.
„Hermann, edelmüthiger Freund, dieſe Reiſe haſt
Du um meinetwillen gethan.“ „ Ja, Du Reine, Hellige, ich komme, um Deinen Abſchiedsſegen zu holen.“— Er beugte ſich nieder und drückte ſeine Lippen auf ihre Hände; ſie waren kalt und feucht;— ſo waren ſie ſchon ſeit einigen Stunden.
In der Nacht wurde ſie immer ſchwächer. Der alte Klinting wollte nicht zu Bette gehen, aber ihr bit⸗ tender Blick und ihre ſanft ſchmeichelnde Gebärde ver⸗ mochten ihn dazu. Hermann und Hortenſe blieben allein zurück; während Hedda ſchlummerte, bemühte ſich der junge Arzt, mit dem ihm eignen feinen Takt, der ſich unter allen Umſtänden bei ihm verrieth, theilnehmend und freundlich ein Herz zu tröſten, welches bei weitem mehr, als die Sterbende, Linderung und Troſt bedurfte. Es war dieß das erſtemal, daß er die geweſene Braut ſeines Freundes ſah; aber ihr ganzes Weſen, ihr Aeußres ſowie Innres, in dieſem Augenblicke von allem Zwange frei, lag offen vor ſeinem forſchenden Blick, Alles zog ihn an und gewann ſeine Theilnahme für das junge
leidende Weib, deſſen geſtörter Friede ebenfalls Gotthards
Werk war.
Gegen drei Uhr Morgens erwachte Hedda. Sie ſah auf; aber ihr Blick hatte einen eignen, ſcharfen Ausdruck. Sie ſprach nur undeutlich. Hermann ſchüttelte den Kopf, Hortenſe weinte.
„Weine nicht um mich spelte Hedda mit An⸗ ſtrengung;„ich bin ja ſo glücklich... Hermann,— Hortenſe— kommt näher. Guter Hermann, Du ſollſt ihm ſagen, wie ſehr, wie treu, wie heiß ich ihn geliebt habe, und Hortenſe ſoll mir die ſchönſte Locke abſchneiden.


