Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

223

glücklich— daß mir dieſe letzte Freude doch noch wurde! Wie lange darf ich Dich behalten?“

„Ich weiß dieß nicht, Hedda; allein ich will es ver⸗ ſuchen, ob ich Weſtelli bereden kann, ſeine Tour nach Norwegen allein zu machen. Ich denke, er wird mir dieſe meine erſte Bitte nicht abſchlagen, damit ich ein paar Tage bei Dir bleiben kann.“

Der Kammerjunker gab den rührenden Thränen und flehentlichen Bitten ſeiner Gattin nach, und am andern Morgen reiste er allein ab, mit dem Verſprechen, erſt in acht Tagen wieder zu kommen, um ſeine Frau zu holen, welche indeſſen ſich ganz und gar ihrer leidenden Freundin widmen konnte.

Die erſten Tage war Hedda ſchwächer als ſonſt; das Wiederſehen und das ungewohnte viele Sprechen hatten ihre Kraͤfte ſehr in Anſpruch genommen; ſie war faſt immer ſtill, obgleich aus ihren Blicken das Glück ſtrahlte, dieſes freundliche und liebend ſorgende Weſen um ſich zu haben.

Am vierten Tage, gegen Abend, wollte ſie verſuchen, ſich ein wenig im Bette aufzuſetzen; mit gewohnter ſorg⸗ licher Hand machte ihr Horenſe die Kiſſen zurecht.

„Ich will mit Dir ſprechen, Liebe,“ ſagte Hedda mit matter, jedoch deutlicher Stimme;„Ich fühle, es iſt mir nun beſſer.“

Hortenſe zog ihren Stußl näher; ihr Herz klopfte hörbar; ahnend horchte ſie mit geſpannter Aufmerkſamkeit. Hedda wollte gewiß von Gotthard reden und Hortenſe be⸗ trog ſich nicht.

„Das letzte Jahr,“ begann die Kranke,„iſt trotz Allem doch das ſchönſte meines Lebens geweſen. Alle übrigen haben mehr oder minder den Stempel des harten Geſchicks getragen, welches mich von der Wiege an ver⸗ folgt hat, aber ſeit ich den letzten Kummer, die freiwil⸗ lige, nothwendige Trennung von Ihm überwunden habe, ſeit der Zeit iſt in dem Maße, wie körperliche Qualen an meinem Lebensfaden genagt haben, ein Friede, eine Se⸗