222
fortgeſetztes Bemühen, ſich in die Umſtände zu fügen, welche ſich nicht mehr ändern laſſen.“
„Arme Hortenſe,“ verſetzte Hedda;„nie beklage ich Dich; ohugeachtet Deiner vielen herrlichen Eigenſchaften geht Dir doch eine ab: der Muth, Dich durch eigne Kraft uͤber all' die unbedeutenden, kleinlichen Berechnungen zu erheben, welche unter dem Scheine von Zärtlichkeit bei Dir Eingang fanden, bis Du endlich nachgabſt und für eine ungewiſſe, eingebildete Hoffnung auf Ruhe das ganze Glück Deiner Zukunft opferteſt, welches ſchon ſo ſchöne Knospen getrieben hatte! Du armes, gutes Kind, haſt zu ſchnell Deine eigne Hoffnung aufgegeben; aber ich ehre Deinen Vorſatz,— er iſt des edlern Weibes würdig,— wenn der Würfel ein Mal gefallen iſt, treu ſeine Pflicht zu erfüllen und ſich in die Entſagungen zu fügen, welche die neue Wendung des Lebens von Dir fordert.“
Erſchöpft ſchwieg Hedda. Hortenſes einzige Antwort waren reichliche Thraͤnen, welche unaufhaltſam floßen; es war fuͤr Beide ein Genuß, ihrem ſtummen Schmerz ſo Luft zu machen.
Schmeichelnd ſtrich Hedda mit ihrer abgemagerten Hand über die brennende Stirne der jungen Frau.— „Vergib mir, wenn ich zu aufrichtig geweſen,“ flüſterte ſie;„aber auf der Gränze zwiſchen zwei Welten, wie ich jetzt ſtehe, verſchwinden alle die Formen, welche ſo oft eine Scheidewand zwiſchen den Herzen bilden, die dafür geſchaffen ſind, einander zu verſtehen; und daß die unſri⸗ gen dieſes ſind, theure Hortenſe, fühlten wir Beide wohl bei dem erſten Zuſammentreffen, obgleich gerade dieſe Formen uns damals trennten. Was war es denn Anderes, als die Macht der Sympathie, welche beſtändig meine Gedanken zu Dir zuruͤck führte? Und was Anderes als dieſe konnte Dich vermögen, Deinen Gatten zur Neiſe nach Skogeborg zu uͤberreden? Gute, beſte Hortenſe, unfäg⸗ lich hat es mich verlangt, noch ein Mal mit Dir zu reden; beſſer— wenn es fruher geſchehen wäre, doch


