205
aus verſchwand und ſein ganzes Weſen ſich in ſtillen Frieden auflöste.
Am andern Nachmittage kam Karl, nach einem herz⸗ lichen und dankbaren Abſchiede von Schwager und Schwe⸗ ſter, in das Bundler'ſche Haus, von wo aus unſere fah⸗ renden Ritter ihren Zug beginnen ſollten. Hulda brach von ihrem hübſchen Roſenſtöckchen für Jeden eine Blume, nebſt einem Zweige von dem Myrthenbäumchen, welches in Kurzem ihren Brautkranz liefern ſollte. Gotthard ſteckte ſeinen Straus in ein Knopfloch; der Baron barg den ſeinigen an einer beſſern Stelle und er folgte ihm durchs Leben und in das Grab. Der Abſchied war ſchmerzlich; er breitete ſich wie ein düſterer Schleier über die ſtille Freude der Familie, am meiſten aber empfand die liebende, fromme Karoline ſeinen fortwährenden Einfluß.
In W erwmarteten die Freunde Karls Urlaub; ſo⸗ bald dieſer anlangte, zeigten ſie zu Hauſe ihre Abreiſe an.
Achtzehntes Kapitel.
Oft wird Jahrelang gerochen Was der Augenblick verbrochen. Tegnér. Er iſt wie ein Mädchen ſo ſchlank und ſo fein— Ich glaube am Ende er ſchnürt ſich gar ein! Carlésn.
„Nein, das iſt zu ärgerlich!“ rief die Amtmännin Thorſen aus, während ſie mit flatterndem Shawl aus einem Zimmer in das andere ſegelte, beſah, ordnete, tadelte und ihre Suite von Dienſtboten auszankte.„Unter allen Titeln in der ganzen Chriſtenheit, gibt es doch keinen ärgerlichern und ſchauerlichern als„Kammerjunker.“


