Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
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Pflegbruder eilte Hulda hinaus, in ihr Zimmer. Hier ließ die heftige Spannung ihrer Seele allmälig nach. Gleichwohl gab ſie ſich das heilige Verſprechen, nie ſeines Edelmuthes unwürdig ſeyn zu wollen.

Den Tag nach dieſem Auftritt kam Doktor Bundler mit einem Brief in der Hand zu ſeiner Schwägerin. In tiefſter Trauer ſaß dieſe in dem großen Lehnſtuhle ihres verſtorbenen Mannes und dachte darüber nach, wie ſie Hermann überreden könne, daß dieſer den Doktor an⸗ ginge, um zu einem eigenen Etabliſſement Ludwigs ſeine Zuſtimmung zu geben, denn der theure Liebling lag ihr unaufhörlich in den Ohren und klagte ihr täglich und ſtündlich, es ſey ihre Pflicht, dafür zu ſorgen, daß er von ſeinem Vormünder nicht mehr wie ein Knabe be⸗ handelt werde; von Elfridens Rath, welche ihm zumuthete, ſelbſt für ſich zu reden, wollte er Nichts wiſſen. Ludwig fand es immer viel bequemer, ſich aufwarten zu laſſen; ſelbſt Etwas in der Sache zu thun— das hatte, bei einem ſo eigenſinnigen Menſchen wie der Doktor, ſeinen Knoten, und arbeiten,— in dieſer Schule war er nicht aufgewachſen.

Als Bundler in das Zimmer trat, glaubte ſie auf ſeinem Geſichte eine gewiſſe Heiterkeit zu leſen, welche ſie ſich um ſo weniger zu erklären wußte, als ſie durch Her⸗ mann erfahren hatte, daß Ludwig mit Fleiß ſowohl ihr, als allen Uebrigen die aufgetragene Botſchaft von Her⸗ manns Wegreiſe verſchwiegen habe und ſich alſo mit hämiſcher Schadenfreude an der Angſt der Famtlie weiden und ſie über den Grund von Hermanns Entfernung, welcher ihm wohl bekannt war— er hatte im Sinne, eine ſchon längſt beabſichtigte botaniſche Excurſion von ein paar Tagen zu machen— in völliger Unwiſſenheit laſſen wollte. Elfride machte ſich deßhalb wenig Hoff⸗ nung, weder bei Hermann, noch bei Bundler Etwas zu Gunſten ihres Lieblings auszurichten, allein das freund⸗ liche Ausſehen des Doktors, ſein ungewöhnlich herzliches „Guten Morgen, Frau Schwägerin,“ weckte bei ihr doch