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Du mich ruhig anhören willſt, ſo werde ich Dir Alles getreulich berichten.“
„Ich bin ruhig, beſte Tante,“ entgegnete Hermann und ſein Ton war kalt wie Eis.— Eine tödtliche Kälte zog ihm die Bruſt zuſammen.„Ich bin ruhig, ſprich!“
„Du biſt nicht ruhig, Du biſt in einem unnatür⸗ lichen, aufgeregten Zuſtande. O Kind meines Herzens!“ bat ihn klagend ſeine fromme Pflegmutter und ihre heißen Thränen vermiſchten ſich mit den kalten Schweißtropfen ſeiner Stirne;„faſſe Dich, beherrſche Deine Leidenſchaft; es koſtet uns Alle Frieden und Seligkeit, wenn Dich dieß⸗ mal die Kraft verläßt, welche bisher den Hauptzug Deines Charakters ausgemacht hat. Glaube mir, Hermann, wenn Du in dieſem wichtigen Augenblicke Deines Lebens über Deine Leidenſchaſt Herr wirſt, ſo wird Dir ſicher⸗ lich die Zukunft Erſatz geben. Ich beſchwöre Dich, Her⸗ mann, beherzige die Worte derjenigen, welche Dich mehr als eine Mutter liebt, und der es das Leben koſten würde, wenn ſie Dich im Wahnſinne der Leidenſchaftlichkeit un⸗ tergehen ſähe.“
„Mutter,“ erwiederte Hermann langſam,„Du ſollſt nicht vergebens um mich gelitten und gewacht haben, nicht umſonſt ſoll es das Streben Deiner unendlichen Liebe geweſen ſein, das Glück des Weſens zu gründen, welches Deinem Herzen ſtets ſo nahe lag. Sanftere Em⸗ pfindungen ziehen in meine Bruſt ein; ſprich jetzt! Ich will ein Mann ſeyn, ich will, ſo wahr mir Gott helfe, mich ſelbſt verläugnen und mit Muth ertragen, was Du mir mitzutheilen haſt.“
Ruhiger ſtand Karoline auf, denn ein Verſprechen aus Hermanns Munde war ein heiliges Kleinod; ſie faßte ſelne beiden Hände und begann die Erzählung eines Vor⸗ falls, welcher bis jetzt nur wie ein dunkler Punkt durch den Verlauf unſerer Begebniſſe durchſchimmerte.


