Teil eines Werkes 
4.-letzter Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

wobei ein anderer Beobachter als Lars, in ſeinen Augen den höchſten Grad hämiſcher Schadenffreude entdeckt haben würde, ſagte er endlich:„Ja, es ſteht ſchlimm,'s iſt eite verdammte Geſchichte, daß Ihr da ſo ganz leer ausgehen ſollt. Das Schlimmſte dabei iſt, daß die arme Liſe keine Mitgift bekommt, und wenn ich nur ſicher wäre, nicht Alles dabei zu verlieren, könnte ich mich ſchon ent⸗ ſchließen, Euch, aus alter Freundſchaft, die Forderung abzunehmen.“

„Gott lohne Ihnen dieſes Wort, gnädigſter Hert Diſtriktgerekutor! Wer ſich auf ſolche Sachen verſteht, weiß, wie man es anpacken muß; aber was kann rin armer Bauer anfangen, wenn man mit vornehmen Leuten proceſſirt, kommt unſer eins immer zu kurz da⸗ bei; man muß noch obendrein die Koſten bezahlen, und hat am Ende doch keinen Pfifferling gewonnen!“

„Allerdings, allerdings, Vater Lars. Ihr ſeht die Sache von der richtigen Seite an; um Euch einen Dienſt zu erweiſen, will ich, wie geſagt, die Forderung an mich kaufen. Aber mehr als zwei Drittheile gebe ich nicht dafür, ein Drittheil müßt Ihr nachlaſſen, denn es kann ja leicht der Fall eintreten, daß ich Alles verliere. Seyd Ihr dieß zufrieden, ſo gebt Dinte, Feder und Papier, dann ſollt Ihr eine Verſchreihung haben, welche ich an Liſens Hochzeittag baar einlöſe.“

Lars ließ ſich dieß nicht, zwei Mal ſagen; als er das Papier mit der gewichtigen Unterſchrift des Kron⸗

lehnsmanns und königlichen Diſtriktsexekutors nebſt bei⸗

gefügtem Sigill in die Hand bekam, verbeugte er ſich in tiefſter Unterthänigkeit. Der Bauer konnte keine Worte finden, um ſeine Dankbarkeit auszudrücken und weinte faſt vor Freude, daß er ſo unvermuthet und auf ſo über⸗ aus glücklichs Weiſe zu dem größten Theile ſeines Gel⸗ des kam.—„Wer hätte glauben ſollen, daß der Herr Diſtriktserekutor, ein ſo großer, vornehmer Herr, ſich mit einem armen Schlucker, wie ich einer bin, ſo gemein und nieberträchtig machen würde!“