Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Allein es gibt doch auch Ausnahmen, wie ich Ihnen eben bemerkt habe, nahm Gotthard lächelnd das Wort, ſonſt kämen wir wieder in die Zeiten der Barbarei zurück.

Wollt Ihr denn nicht herauf kommen, Kinder? fragte der Amtmann aus dem Fenſter herab. Ich glaube, Ihr zankt Euch zum fröhlichen Wiederſehen.

Ach, es war Nichts, Papachen! Hortenſe drehte ſich um und flog die Treppe hinauf.

Gotthard verſicherte mit großer Artigkeit, daß er ſich unmöglich vor der Frau Tante ſehen laſſen könne, ohne vorher umgekleidet zu ſeyn, und trotz des Amtmanns: Poſſen! was find dieß für Umſtände? Komm doch herauf zum Kaffee! eilte er auf ſein Zimmer, warf den Rock in die eine Sophaecke, die Weſte in die andere und rief aus:Sapperment, was ſie hübſch iſt! meinetwegen mich ſoll ſie doch nicht kriegen da wird Nichts daraus! Ich hoffe, ſie weiß das auch, obgleich das ſchalkhafte Lächeln, womit ſie mir zunickte, als ſie die Treppe hinauf ſprang, dieſer Vermuthung doch auch einigermaßen zu widerſprechen ſcheint.

Während ſich dieſes im Hofe zutrug, machte die Amtmännin im Saale oben entſchieden die Charmante. Das mehr als glückliche Anzeichen, daß der Baron mit ihrem Alten gekommen, folglich von ihm dazu eingeladen war, ſchien ſie zu den ſchönſten Hoffnungen zu berechti⸗ gen! nun waren auf einmal alle die ſtolzen Antworten vergeſſen, mit welchen ſie den Uebermuth der hochadelichen Familie niederzuſchrecken gedachte, wenn je wieder ein Glied derſelben ſich ihr zu nahen wagte. Sie war lauter Artigkeit und Aufmerkſamkeit gegen den Baron, welcher übrigens nicht ſehr davon erbaut zu ſeyn ſchien, ſondern ernſt und ſchweigſam, mit einer gewiſſen ruhigen Würde die ausgewählteſte Fürſorge für Alles, was ſie ihm nur an den Augen anſehen zu koͤnnen glaubte, annahm.

Der Amtmann, welcher die Pläne wohl durchſchaute, die ſeine Frau beſchäftigten, hatte ſeine Freude daran, ſieauf die Zinne des Tempels zu führen. Er hatte