Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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ſeyn, wenn gleich, wie ich zu meinem einzigen Troſte glaube, ihr Herz nicht ſo delkt.

Und wer iſt ſie, die Dich verſchmäht, wenn Du in ihrem Herzen lebſt? Iſt ſie ſo ſchwach, dann wäre ſie

nicht werth, daß ihr Bild länger in Deiner treuen,

männlichen Bruſt iherrſchte.

Ach, Gotthard, Du weißt nicht, was Du ſagſt; ich will Dich nicht auch noch mit dieſem meinem Kum⸗ mer belaſten, Dil trägſt ſchon an dem einen genug. Dein edles, friſches Herz fühlt den innigen Drang, üͤberall zu helfen und zu tröͤſten; ſollte ich Dir ein neues Feld meiner heimlichen Schmerzen eröffnen, wo Du nur mit mir leiden könnteſt und dieß zwar doppelt, indem.. kurz, Gotthard, es iſt am beſten ſo wie es iſt. Laß uns von etwas Anderem reden.

Du haſt kein Vertrauen zu mir, Karl, und ſprichſt deßhalb oft ſo ſonderbar. Ich bitte Dich, ſey aufrichtig; kann ich auch Nichts weiter fur Dich thun, ſo kann ich doch Deinen Schmerz theilen und Deinen Verluſt mit Dir beklagen.

Ein paar Momente kämpfte Karl heftig mit ſich. Er blickte Gotthard in die treuen, ſeelenvollen Augen; je mehr er aber von der innigen und aufrichtigen Theil⸗ nahme ſeines Freundes uͤberzeugt war, deſto mehr richtete ſich ſein geſunkener Muth auf und mit dem Ausdrucke der ſchönſten Entſagung in ſeinem edlen Geſicht rief er aus:Nein, Gotthard, ich ſehe, wie lieb Du mich haſt; ich wäre Deiner Freundſchaft nicht werth, wenn ich in Deine Bruſt das erſte Samenkorn der Zwietracht zwiſchen Deinen eigenen Gefühlen werfen könnte. Ich beſchwöre Dich, laß die Sache ruhen; es iſt nicht gut, davon zu reden!

Erſtaunt, aber mit ſolcher Achtung vor Karls un⸗ beugſamer Entſchloſſenheit, ließ Gotthard das Geſpräch über dieſen Punkt fallen. Bis tief in die Nacht hinein ſprachen die Freunde von andern, weniger aufregenden Gegenſtänden. Es war noch frühe am Morgen, als ein

leiſes, ganz eigenthümliches Pochen an der Thüre Lidners