Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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den Adel im Allgemeinen und mich insbeſondere, weil er glaubt, ich habe Abſichten auf ſeine Tochter, eine Ver⸗ muthung, zu welcher er allerdings einigen Grund hatte. Meine Mutter und Tante wünſchten nämlich dieſe Ver⸗ bindung, die Amtmännin desgleichen, denn in Bezug auf den Adel hegt ſie ganz entgegengeſetzte Anſichten, als ihr Mann. Allein ihre Wünſche und Hoffnungen waren nicht die meinigen, denn längſt ſchon iſt das Loos meines Herzens entſchieden, über welchem jetzt und allezeit un⸗ günſtige Sterne walten. Meine wärmſten Gefühle ſprachen deßhalb nicht für Hortenſe, aber da ſie ſo rei⸗ zend und wahrhaft liebenswerth iſt, daß kein Mann ihr ſeine Aufmerkſamkeit verſagen kann, ſo hat meine Mutter mir in einem Augenblicke der Aufregung das Verſprechen abgelockt, daß ich es verſuchen wolle, ſie zu gewinnen. Wie weit ich mit Hortenſe gekommen wäre, ch freilich nicht wiſſen! für den Augenblick ſchien eens nicht das geringſte günſtige Anzeichen dazu vorhanden. Was mich aber hauptſächlich beſtimmte, vonſeher Bewerbung abzuſtehen, war der Umſtand, daß der Amtmann mir bei jeder Gelegenheit, groß oder klein, ziemlich rückſichtslos ſeinen Widerwillen zu erkennen gab. Da ihm indeſſen in einer ſo delikaten Angelegenheit nur mit der Zeit die Ueberzeugung werden kann, daß ſeine Beſorgniſſe durchaus ungegründet ſind, ſo beharrt er vor der Hand noch in der Erbitterung ſeines Herzens, obgleich er jetzt gerade, um Deinetwillen, einen geringen Anſchein von Wohlwollen gegen mich zeigt.

Ich habe mir doch gedacht, daß es irgend einen Hacken haben müſſe, rief Gotthard aus.Du liebſt alſo Hortenſe nicht? Ich habe dieß wirklich geglaubt.

Nein, ich liebe ſie nicht. Die ganze erſte heiße Liebe meines Herzens gehört einem andern Mädchen aber ach, Gotthard, ich liebe hoffnungslos. Du glück⸗ licher Menſch, weißt nicht, was dieß ſagen will. Du ahnſt Nichts von der Bitterkeit, welche bei dem Gedanken ſich meines Herzens bemächtiget, auf ewig verſchmäht zu