Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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ſeines Freundes. Die Hände der jungen Männer ruhten in einander.

Du haſt wieder einen leichten Fieberanfall, ſagte Gotthard,Deine Hand iſt heiß.

Daran iſt die innerliche Unruhe Schuld; mir iſt vor dem Briefe bange, welcher ſo entſcheidend für unſre Angelegenheit iſt. Zuerſt peinigt mich der Gedanke, daß meine Angſt noch länger dauern kann und die Sache ſich vielleicht noch ein paar Poſttage hinauszieht; dann, daß unſre ganze Hoffnung zu Schanden werden könnte, und bei der bloßen Vorſtellung rieſelt es mir eiskalt durch die Glieder. Düſtre Traͤume plagen mich. Ich ſehe, in kurzer Zukunft, meine Mutter und Schweſtern hülflos, elend, aus Wallby vertrieben, umherirren, ver⸗ gebens nach einer Freiſtatt ſich umſehen, den Sohn, den Bruder mit ihren Blicken ſuchen, während dieſer kraftlos, ohne Etwas für ſie thun zu können, verdammt iſt, ihre Qual lediglich anſehen zu müſſen und dadurch ſeine eigene Qual nur noch um ſo bitterer fühlt. Im Hin⸗ tergrunde dieſes ſchrecklichen Bildes ſteht der heilloſe Neid⸗ hart Fuſelberg und ſein Sohn: hohnlächelnd ſtarren ſie auf uns und freuen ſich unſers Elends.

Karl, Freund, entgegnete Gotthard bekümmert, nun kommen Deine Phantaſieen wieder. Ich habe ge⸗ hofft, wenn Deine Krankheit ſich gegeben haben würde, ſo werde auch Dein freier Geiſt ſeine Gewalt über die ſchwächere Kraft wieder gewinnen, allein durch die be⸗ ſtändige Richtung Deiner Gedanken auf denſelben Gegen⸗ ſtand unterhältſt Du mit Fleiß Deine Grillen und dieß mattet Dich ab und hindert Dich, die Sache aus klarem Geſichtspunkte zu betrachten. Wie oft habe ich Dir ſchon geſagt, daß Monate darüber hingehen müſſen, bis Fuſel⸗ berg Dir in Wirklichkeit ſchaden und ſeine Drohungen ausführen kann. Es geht nicht ſo ſchnell vorwärts auf dem Wege der Gerechtigkeit, dieſer hat gar manche Ruhepunkte, ſo daß der Wanderer ohne alle Schwierig⸗ keit, wenigſtens für eine Zeitlang, wenn er es bedarf,