Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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vergaß alle Beſorgniſſe eines Liebhabers über den Pflichten der Kindesliebe und eilte nach Haufe an das Sterbebett ſeines Vaters. Er machte ſich jede Stunde zum Vor⸗ wurſe, welche die gluhende Sehnſucht nach der Geliebten ſeine Gedanken von dem Vater abgezogen hatte. Jetzt wollte er aber auch keine Minute mehr von ihm weichen;. Tag und Nacht, denn der Kampf dauerte lange, wachte er unausgeſetzt an ſeinem Lager, und bis der Tod lang⸗ ſam die freundlichen Augen ſchloß, weilten ſie mit unend⸗ licher Zärtlichkeit auf dem geliebten Sohne.

Zweiunndzwanzigſtes Kapitel.

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Wenn es die Leſer erlauben, ſo wollen wir mit ein⸗ ander zu den Gerichtsverhandlungen zurückkehren, damit nicht ohne uns das Endurtheil geſprochen wird.

Das Befinden des Baron Silberſparre hatte ſich Etwas gebeſſert. Er phantaſirte nicht mehr, allein es war eine Mattigkeit und Reizbarkeit zurückgeblieben, welche eine aufmerkſamere Behandlung verlangten, als faſt die Krankheit ſelbſt. Er hatte ſeine Mutter und Tante zu überreden gewußt, daß ſie keinen weitern Beſuch mehr in Brobanda machten, ſondern ihn ganz und gar der Obhut ſeines neuerworbenen edlen Freundes über⸗ ließen. Karl fühlte wohl, daß er dem Amtmanne dieſen Beweis von Aufmerkſamkeit in Bezug auf ihn ſelbſt und ſein Gerichtshaus ſchuldig war, außerdem waren ihm auch die ewigen Fragen zuwider:Wie geht es Dir, lieber Karl? Haſt Du ſchon Etwas gegeſſen? Was möchteſt Du denn gern? Du denkſt doch nicht an die Geſchichte mit Fuſelberg? Thue dieß nicht, es regt Dich nur auf u. ſ. w. u. ſ. w.

Der Poſttag, an welchem Gotthard von ſeinem Oheim Antwort erwartete, war nahe. Am Abende vorher, nach vollendeten Amtsgeſchäften ſaß er am Bette