Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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ausſprechen, bis ich weiß, daß ſie bei ihr lauten Anklang finden und mein Herz glaubt ſo gerne, daß das reine jungfräuliche Erröthen, welches ſo eben bei einer gewiſſen unbedeutenden Frage ihre Wangen überflog, mich zu den ſchönſten Hoffnungen berechtigt.

Und was haſt Du ſie denn gefragt, Hermann? fragte Tante Karoline in geſpannteſter Neugierde.

Als ſie in ihrer Unſchuld und Engelsgüte ſagte: Bei Allem, was ich that, warſt Du gleichſam mein Ge⸗ wiſſen, und ob Du Etwas billigen oder tadeln würdeſt, machte den Wendepunkt aller meiner Gedanken und Handlungen aus, da fragte ich: auch Deiner Gefühle, Hulda? war ich auch hierin Dein Gewiſſen? Da er⸗ wiederte ſie blos die zwei Worte: meiner Gefühle. Ich wagte nicht weiter in das Heiligthum einzudringen. Wuͤrde ſich aber dieſes ſchüchterne, entzuckende Erröthen eingefunden haben, wenn nicht.. O Tante, in dieſem Punkte bin ich ſchwach, ſchwach wie ein Kind! Laß mich hoffen; dieß gibt mir eine Seligkeit, für welche die Sprache keine Worte hat. Und dann, warum ſollte ich denn auch nicht hoffen? Die zärtlichſte Mutter, eine Mutter, welche uns Beide ſo innig liebt, hat ja meine junge Braut ſtets ſchützend umſchwebt. Nie hat ihr noch ein Mann das Zauberwort der Liebe in die Ohren ge⸗ lispelt. Kein ſchmachtender Blick hat noch den Weg zu ihrem Herzen geſucht, noch weniger gefunden. Oder doch? ſetzte Hermann haſtig hinzu und ſeine Augen hafteten mit einem Ausdrucke auf der Pflegemutter, wel⸗ cher dieſe zittern machte; ihr Stillſchweigen war es, das ihn in ſeinen ſchönſten Träumen ſtörte.

Hermann, ſey vernünftig, faſſe Dich; Du erſchreckſt mich, entgegnete Karoline und ſah den erbleichenden jungen Mann mit flehenden Augen an.Ich habe mir, weiß Gott, Nichts vorzuwerfen, indeſſen...

Hier wurde jede weitere Mittheilung durch eine Botſchaft von Elfride unterbrochen. Dahl hatte einen neuen heftigen Schlaganfall bekommen und Hermann