ſo fragte er:„Haſt Du Dich nicht auch für ihn intereſ⸗ firt, oder hat Gotthard des Baron Silberſparre in ſeinem Briefe nicht erwähnt?“
„Allerdings, lieber Hermann; jedoch war der Ein⸗
druck, den er auf mich gemacht hat, gerade nicht der allerbehaglichſte. Davon aber ein anderes Mal. Sag' mir, wie findeſt Du den Stand der Dinge in Deinem väterlichen Hauſe?“ „ In einer Hinſicht ſehr bedauerlich, theuerſte Tante; denn in wenigen Tagen geht mein geliebter Vater zu ſeiner letzten Ruhe,— daran iſt wohl leider kein Zwei⸗ felz— fuͤr das Uebrige habe ich indeſſen einige Hoffnung. Meine Stiefmutter hat mich bei weitem beſſer und freund⸗ licher aufgenommen, als ich erwartete.“— Und nun er⸗ zählte Hermann Alles, was ſich inzwiſchen mit ſeiner Mutter zugetragen hatte.—„Was mich am meiſten und tiefſten bekümmert,“ ſchloß er,„iſt, was aus Ludwig in Zukunft werden ſoll; ſein Ausſehen, ſein ganzes Weſen rechtfertigt leider meine Furcht.“.
„Ja, in dieſer Beziehung haſt Du allerdings Urſache unruhig zu ſeyn, lieber Hermann, und ich geſtehe, daß es mich namentlich oft auf Elfriden unwillig macht, wenn ich ſehen muß, wie ſie ſich bemüht, ſeine Fehler zu ver⸗ decken; ſie hat ihm aber leider ſchon zu lange durch die Finger geſehen und erſt vor Kurzem bedeutende Opfer bringen müſſen, um die Schulden zu bezahlen, welche er im Spiel gemacht hat; dieſe ſollen ſo groß ſeyn, daß man ſie einem zwanzigjährigen jungen Menſchen kaum zutrauen kann.“
„Pfui!“ murmelte Hermann.„Mit Gott will ich
ihm den Zügel ſchon halten! Ich werde Nichts verab⸗ ſäumen. Nun aber, liebe Mutter, laſſen wir das; ich weiß nicht welche Blödigkeit mich bisher verhindert hat, den Gegenſtand zu berühren, der mir am meiſten am Herzen liegt.“— Hermanns Blick und ganzes Weſen waren verändert; ein uubeſchreiblicher Ausd uck des rein⸗ ſten, heiligſten Liebesentzückens war darüber verbreitet.
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