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Entweder waren ſie die Frucht wahrer Reue, veranlaßt durch den Edelmuth ihres Gatten, oder die Folge ihrer Angſt vor den kommenden Tagen unter Bundlers Ge⸗ walt; genug, in dieſem Augenblick ſah man eine bußfer⸗ tige Magdalena. Innig bewegt und von einer gewiſſen Art zärterer Achtung ergriffen, als er ihr bisher erwieſen hatte, nahm Hermann ſeine Mutter jetzt bei der Hand und führte ſie in das innere Zimmer, an das Krankenbett des Vaters. Sobald Dahl Mutter und Sohn in dieſer Stellung mit einander ſah, ihre gemeinſame Rührung bemerkte, überkam ihn ein wunderbar ſüßes Gefühl, ein Vorſchmack von der Seligkelt des Himmels. Beide knie⸗ ten vor ihm nieder und Elfride lehnte ſchluchzend ihr Haupt an den Arm des Gatten. Ganz leiſe, nur ihm hörbar,— Hermann ahnte nur, was ſie ſagte— hauchte ſie ihre Bekümmerniß und Reue aus und flüſterte eine Bitte um Verzeihung.
. In dieſem Augenblick trat Ludwig ein. Trotz dem Zuſtande tiefſter Rührung, in welchem ſict, Hermann be⸗ fand, gewahrte er doch mit Verwunderung und Beben, daß das ganze Ausſehen ſeines Bruders von einem un⸗ ordentlichen, verderblichen Leben zeugte. Ein Schauder fuhr Hermann durch die Seele; er gab ſich das heilige Verſprechen, kein Mittel unverſucht zu laſſen, um den leichtſinnigen Jüngling wo möglich auf die Bahn der Ehre und Pflicht zurückzuführen.
Dahl winkte mit der Hand und die Brüder reichten ſich die Hände; allein Ludwigs Ausſehen zeugte eher von drückender Verlegenheit, als irgend von Freude oder Reue. Er ſchien verſtockt und blieb es auch bei den milden Wor⸗ ten, welche ſein Vater an ihn richtete. Endlich gab der
Kranke den Wunſch zu erkennen, mit Ludwig allein zu
ſeyn. Elfride begab ſich auf ihr Zimmer und Hermann eilte nach dem Hauſe des Doktors.
Es wäre vergeblich, die Freude des Wiederſehens zwiſchen der liebenden frommen Karoline und dem Lieb⸗ linge ihres Herzens beſchreiben zu wollen. Dieſer ſchöne,
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