Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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wird, ſo viel in meinen Kräften ſteht, Ihren Befehlen gehorſam zu ſeyn und als ein ergebner Sohn in der ſchweren Prüfungsſtunde, welche uns bald erwartet, Ihnen zur Seite zu ſtehen.

Bei dieſen mit ſo vieler Herzlichkeit vorgebrachten Worten veränderte ſich der Ausdruck in Elfridens Blick auf ſehr merkliche Weiſe. Ueber ihre verbleichten Lippen zog ſogar eine leiſe Anmahnung an das ſonſt ſo an⸗ muthige Lächeln, und während ſie ihm liebreich die ver⸗ gelbte Wange zum Kuſſe bot, ſagte ſie ſehr freundlich: Ich danke Dir, Hermann, für dieſe Worte, und hoffe, daß ich nie Urſache haben werde, an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln. Was mich ſo eben kränkte, war der Ge⸗ danke, daß die kleine Verſäumniß, welche Du Dir zu Schulden kommen ließeſt, ihren Grund in meinem Ent⸗ ſchluſſe von Deiner Seite haben möchte, ſogleich von An⸗ beginn an, Dich als würdiger Bundesgenoſſe neben Deinen Pflegvater zu ſtellen, wogegen ich, eine verlaſſne Wittwe hier fand Elfride Veranlaſſung von ihrer alten Me⸗

thode mit dem Taſchentuche Gebrauch zu machen hülflos mit meinem unmündigen Sohne, einſam daſtehe,

ohne meine Gerechtſame wahren zu können, welche er

ſicher anfaſſen wird.

O Mutter, denke nicht ſo ſchlecht von dem braven Manne. Er wird allezeit in Deiner Perſon den letzten Willen meines Vaters ehren, ſeine letzte Bitte, und dieſe

Bitte galt Dir...

Wirklich? ſagte Elfride und ihr Geſicht klärte ſich auf.So verläßt mich doch nicht alle Hoffnung! Denn das Wort eines Sterbenden iſt etwas Helliges. Gott vergelte es ihm; er iſt während unſrer ganzen Ehe ſtets ein Engel an Geduld und Güte geweſen. Viel⸗

leicht war dieß das erſte Mal ſeit vielen Jahren, daß ein ſo tiefes, wahres Gefühl ſie ergriff.Ich war woohl auch nicht immer ſeiner gütigen Nachſicht vollkom⸗

men werth. Die Thränen, welche nun über Elfridens Wangen rannen, trugen das Gepräge der Natürlichkeit.