Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Pah, was ſällt Dir ein! Du biſt ja ſtets ein ſo verſtändiger Burſche geweſen, Hermann, und wirſt doch jetzt nicht auf ein Mal in die Wolken fliegen wollen! Zum Himmel iſt es noch immer Zeit. Indeſſen freut es mich von Herzen, daß Du Dich vor der Hand mit dem irdiſchen Theile begnügen willſt. Nun adieu, komm bald nach, ſonſt verzweifelt Karoline.

Mit dieſen Worten ſchieden die Männer und Her⸗ mann ging in das Vorzimmer ſeines Vaters. Mitten im Gemache ſtand Elfride; der Zuſatz von drei weiteren Jahren hatte ihrer äußern Anmuth bedeutenden Eintrag gethan und dieſer Mangel war um ſo fühlbarer, als ſich auf ihren bleichen Wangen keine Art von Seelen⸗ ſchönheit abſpiegelte. Das einzige, was ihr noch übrig geblieben, war das Feuer ihrer Augen, und je ſchärfer und eckichter ihre Züge geworden waren, deſto ſichtbarer wurden die Blitze, welche ihre Augen ſchoßen.

So? kommt endlich doch auch ein Mal die Mutter an die Reihe! begann ſie ihren nicht gewaltig zärtlichen Willkomm, als Hermann ſich achtungsvoll näherte, um ihr die Hand zu küſſen.Ich finde, daß Du Dir gleich geblieben biſt und als Mann dieſelben edlen Eigenſchaften mit nach Hauſe zurückbringſt, welche der Jüngling mit fort genommen hat. Ich hatte gehofft, Zeit und Nach⸗ denken würden Dich lehren, derjenigen, welche Du mit dem Namen Mutter beehrſt, mehr Achtung zu erweiſen.

Verzeih', liebe Mutter, bat Hermann das Seligkeitsgefühl, welches ſein ganzes Ich durchſtrömte, hatte ihn mild geſtimmt und ganz demüthig gemacht verzeihen Sie, liebe Mutter, wenn ich, von der Wonne, die Spielgenoſſin meiner Jugendjahre wieder zu ſehen, hingeriſſen, die Pflicht vergeſſen habe, welche mich zuerſt zu Ihnen hätte führen ſollen, und nehmen Sie meine aufrichtige und herzliche Verſicherung, daß, weit entfernt, Ihnen auch nur die geringſte Mißachtung bezeigen zu wollen, im Gegentheil mein fortwährendes Streben ſeyn