Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Mal Einer, ſitzen nicht die Herrſchaften da wie ein jun⸗ ges Ehepärchen bei ſeinem Morgenkaffee! Nun, Hulda, was hältſt Du von ihm iſt er noch der Alte, ſieht er ſich noch gleich?

Nein, Vater, keineswegs! Ich weiß nicht recht, aber es kommt mir vor, als ob der große ſchwarze Backen⸗ bart ihn ſo verändert haben müſſe.

Et, Du warſt ja ſtets der Meinung, ein Backenbart kleide ein maͤnnliches Geſicht ſehr gut.

Ich habe nicht geſagt, daß er ihn nicht gut kleide; er macht ihn nur ſo ganz anders, und dann dann... Und dann hat er ſich wohl einige kleine Untugenden angewöhnt? fragte der Vater mit verſtelltem Erſtaunen. Ja, es iſt nicht ganz ohne!

Liebſte, beſte Hulda, biſt Du böſe auf mich? Sollte lch blrtich zu dreiſt geweſen ſeyn? fragte Hermann innig.

Das weiß ich nicht nämlich das Letzte, ſtotterte Hulda in ihrer Unſchuld;aber böſe auf Dich zu ſeyn, lieber Hermann, das kann mir niemals einfallen. Ich wollte, ich wünſchte blos, daß Du ſo wäreſt, wie Du immer geweſen biſt.

Nun, damit hat es keine Noth, meinte der Vater. Du kannſt ihn jetzt in die Schule nehmen, Hulda, halte ihn nur eben ſo ſtreng, wie er es mit Dir gemacht hat, wenn Du Deine Aufgaben nicht gelernt hatteſt. In kurzer Zeit werdet Ihr Euch dann ſchon über die richtige Me⸗ thode vereinigen.

Darauf nahm der Doktor ſeinen zukünftigen Eidam am Arm und ging mit ihm nach dem Zimmer des Kran⸗

ken. Vor der Thüre blieben ſie ſtehen und er fragte:

Nun Hermann, was ſagſt Du zu Deiner jungen Braut?

O Vater, was ſoll ich ſagen? Ich bin ſo uber⸗

raſcht, ſo beſtürzt. Wird ſie mein, das heißt, kann ich ſihr Herz gewinnen, ſo großer Gott, dieß wäre allzu- viel Seligkeit fur mich!.