Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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und ich habe ſtets auch, dieß weißt Du wohl, Hermann, Alles gethan, um ihm Freude zu machen, während er Dich entbehren mußte. Gott ſei Dank, daß Du nun hier biſt! jetzt wollen wir gemeinſchaftlich unſere heilige Pflicht an ihm üben. Biſt Du ſchon bei Tante Elfride geweſen, lieber Hermann? S Noch nicht, Hulda, zuerſt mußte ich Dich ſehen; ich habe mich unausſprechlich nach dieſem Augenblicke geſehnt. Sag' mir, haſt Du denn auch einige Sehn⸗ ſucht nach mir gehabt, haſt Du manch' Mal an mich gedacht? *O, jeden Tag, beſter Hermann! Bei allem was ich that, warſt Du glelchſam mein Gewiſſen. Würde Hermann dieß billigen? würde er jenes tadeln? Dieß waren die zwei wichtigſten Punkte, um welche ſich alle meine Ge⸗ danken und Handlungen drehten.

Auch Deine Gefühle, Hulda? War ich auch darin Dein Gewiſſen?

Meine Gefühle? Der Farbenwechſel der Roſe vom blaſſeſten Roth bis zum Purpur iſt nicht merklicher, als der leiſe Schimmer, der über die Wangen des Mäd⸗ chens flog. Hermann ſah es und was würde er darum gegeben haben, hätte er es zu enträthſeln gewußt! Allein daran war jetzt nicht zu denken. Er mußte von einem Wunſche abſtehen, welcher ſich nicht mit dem Zartgefühle vertragen wollte, das einen Hauptzug in ſeinem Charakter ausmachte. 4

Willſt Du jetzt nicht zu der Mutter gehen, Her⸗

mann? nahm Hulda wieder das Wort, um das vorige

Geſpräch ganz und gar abzubrechen.

Ja wohl, ſogleich; ich will nur zuerſt ſchnell meine

Mutter ſehen und von meinem Vater auf eine Stunde Abſchied nehmen, im Fall er noch wacht.

Es war auch hohe Zeit, daß Hermann daran dachte, den Zauberkreis der Seligkeit zu brechen, der ihn um⸗ Thüre und Na, da ſeh

gab; denn ſo eben öffnete der Doktor die ganz freundlich beim Eintreten: