unzählige Küſſe auf Wangen und Stirne; ihre Lippen berührte er nicht.
Erſchreckt durch den heftigen Ausbruch ſeiner Ge⸗ fühle, welche Hulda ſtets nur als brüderliche Zuneigung anzuſehen gewohnt war, wich ſie zurück, doch ließ ſie ihre Hand in der ſeinigen. Sie zog ihn auf dieſe Art ſchnell mit zum Sopha, nöthigte ihn zum Niederſitzen und ſagte mit ſanftem Lächeln:„Nun mußt Du aber eine Taſſe Kaffee trinken, armer Hermann; auch den Zwieback wirſt Du Dir hoffentlich gehörig ſchmecken laſſen, denn ich weiß, bn Du ſeit Deiner Ankunft nicht das Mindeſte genoſſen
aſt.“
Nie war Hermann weniger zum Genuſee irdiſcher Speiſe geſtimmt, und hatte an Huldas Anerbieten keine ſo beſondere Freude, als dieſe ſich wohl einbildete; allein als ihre hübſche Hand die Taſſen geſchäftig ordnete, den klaren Trank einſchenkte und ihm darreichte, konnte er nicht umhin, ihn anzunehmen, und als ſie ihm mit lie⸗ benswürdiger Anmuth den Präſentirteller mit Zucker und Bretzeln anbot, ergriff er die freigebige Hand und es fehlte nicht viel, ſo hätte er ſie Statt einer Bretzel auf⸗ gegeſſen.
„Ach, Hermann, Du biſt zu garſtig, Du biſt gar nicht mehr wie ſonſt. Haſt Du denn dieß in Stockholm gelernt?“ fragte Hulda und rührte in der Verlegenheit ihre Taſſe um.
„Nein, liebe Hulda, wenn ich wirklich unbeſcheiden bin, ſo habe ich es wenigſtens nicht in Stockholm gelernt. Erſt jetzt, erſt in dieſem Augenblick bin ich ſo geworden. Aber nun, Du liebes, gutes Kind, laß mich Dir von ganzem Herzen für die zärtliche Pflege danken, welche Du meinem armen Vater gewidmet haſt. Wir haben heute Nacht von Dir geſprochen; er liebt Dich wie ſeine eigene Tochter, gleich wie Den, der ſeit langer Zeit die Freude und Wonne ſeiner Augen, ſein Glück und ſeine Hoffnung ausmacht.“
„Ach ja, er hält viel auf mich,“ ſagte Hulda herzlich;


