Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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Leben. Was er bieher geliebt hatte, war nur der leiſe Schatten von der geweſen, die jetzt vor ihm ſtand, nur u die Ahnung von der einſtigen Vollendung dieſes lieblichen be Weſens, das höchſte, füßeſte und reinſte Gefühl ſeiner 1 Bruſt, die Dämmerung des nun in voller Klarheit ange⸗ ſü brochenen Tages. In Hermanns Seele ſchlummerten al tiefe, mächtige Empfindungen, erſt zum Leben erwacht, H

mußten ſie auch nothwendig ihre gewaltige Macht über 8 ſein Herz ausüben, welches bisher die Kraft der Leiden⸗ m ſchaften noch nicht gekannt hatte. Da er nun ein Mall K liebte, konnte ſelne Liebe keine flüchtige, laue, gewöhnliche D Liebe ſeyn; nein, ſie mußte ewig dauern und auf eine de Weiſe, welche in vollkommenſtem Einklange mit ſeinen 5 Begriffen vom Weibe und ihrem Einfluß auf das ſittliche S Leben des Mannes ſtand.

Kennſt Du mich denn nicht mehr, lieber Her⸗ ſe mann? fragte Hulda und ließ es Statt der ſchweſter⸗ a lichen Umarmung, mit welcher ſie ihn zu bewillkommen kl gedachte, bel einer einfachen leichten Berührung der Hand 3 bewenden. d

Ja und nein! Es iſt Deine Stimme; aber Dein B ganzes Weſen, o Mädchen, iſt ſo verändert, und mich fe war dieß der ruhige, ernſte Hermann, der nun ge ſprach?und mich mich ergreift ein Gefuͤhl, allzumächtig, als daß ich es beſchreiben könnte theuerſe ni Hulda! Er ergriff ihre dargebotne Hand und führte 94 ſie mit Feuer an die Lippen. Es war das erſte Mal, dßs ih er ſie ſo grüßte. 2

Sie war ganz verlegen und fühlte ſich offenbar nicht 9 ganz wohl dabei.Hermann, liebſter, beſter Hermann! ſie blickte ihm innig flehend in die Augen,es A kommt mir vor, als ob Du ganz fremd gegen mich wärſt g6 und nicht mehr ſo viel auf mich hielteſt, als da Du uns das letzte Mal verließeſt.

Tauſend, tauſend Mal mehr, Hulda! Mit b den Armen umſchloß er das ſchlanke Geſchöpf und drückte u