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und als wackerer Mann gehalten, nämlich darin, daß er ſich nicht beſtimmen ließ, den Ludwig auf eigene Fauſt zu etabliren. Gottlob, in dieſer Hinſicht ſah er vollkom⸗ men klar. Er war ſelbſt ein zu thaͤtiger und umſichtiger
Geſchäſtsmann, um nicht auf ein Haar berechnen zu kön⸗
nen, daß Ludwig als eigener Herr in einem halben Jahre total fertig ſein müßte.“
„Was ſoll denn aber aus ihm werden, wenn..“ Hermann konnte es nicht über ſich gewinnen, den Satz zu vollenden.
„Ja, das läßt ſich freilich ſchwer beſtimmen,“ nahm Bundler das Wort.„Sollte Dein Vater ſterben, Her⸗ mann, ſo iſt Ludwig noch ein Jahr lang unmündig und wird ohne Zweifel unter meine Vormundſchaft kommen, dann ſoll er, wenigſtens ſo lauge ich darauf zu halten vermag, nicht über die Stränge ſchlagen, und mit Gott lernen, was er ſchon längſt hätte lernen müſſen, nämlich gehorchen; denn ſonſt wird er zum Befehlen nie tauglich werden.“
Jetzt gab eine leiſe Bewegung hinter den niederge⸗ laſſenen Bettvorhängen zu erkennen, daß der Kranke er⸗ wacht war. Bundler ſtand auf, trat an einen Tiſch auf der Seite, ſah nach der Uhr, ergriff eine Medizinflaſche und näherte ſich dem Bette.
„Wie geht es Dir, Herzensbruder?“ fragte der Doktor theilnehmend.
„Schlecht!“ antwortete der Kranke leiſe,„ſchlecht, ſchlecht!“ wiederholte er langſam.„Deine Kunſt vermag Nichts mehr bei mir, guter Schwager; da ich aber jetzt einen lichten Augenblick habe, ſo ſetze Dich zu mir und vernimm meine Bitte.— Wenn ich nicht mehr bin, ſo ſey nicht zu ſtreng gegen Elfride, nicht zu ſcharf. Sie hat ihre Fehler, das iſt wahr, aber auch ihre quten Eigen⸗ ſchaften. Mein Haus hat ſich unter ihren fleißigen ord⸗ nenden Händen gehoben, und eine Zeitlang, im erſten Jahre unſerer Ehe, machte ſie mich zum glücklichſten Manne. Um meiner Bitte willen, Bundler, die Du nie


